Analyse und Optimierung des Bibel-Teilens

Nach jeder Feier des Bibel-Teilens oder in gewissen Abständen kann sich die Gruppe selbstkritisch über den Verlauf befragen. Dafür kann das unten angeführte Schema eine Hilfe sein. Dies ist eine gute Möglichkeit, Schwierigkeiten zu besprechen und die Methode noch fruchtbarer zu machen. Die Analyseschritte entsprechen der Sieben-Schritte-Methode von Lumko, treffen aber in angepasster Form sicher auf die meisten Methoden des Bibel-Teilens zu.

Schritt 1:

Haben wir eine Atmosphäre des Gebetes verspürt? Gab es etwas, das die Atmosphäre des Gebetes gestört hat?

Schritt 2:

Hatten alle den Text gefunden, bevor er vorgelesen wurde? Konnten wir alle den Vorleser gut verstehen?

Schritt 3:

Haben wir genügend meditative Stille zwischen den Wiederholungen der Worte erlaubt, z. B. durch zweimaliges Ein- und Ausatmen? Haben wir die Worte oder Satzteile in einer „meditativen“ Weise laut vorgelesen?

Schritt 4:

War die Zeit der Stille zu kurz oder zu lang? Was hat uns gestört, uns auf die Stille einzulassen?

Schritt 5:

Haben wir uns wirklich persönlich mitgeteilt („ich“)? Gab es Versuche, sich ins Unpersönliche zu flüchten, zu lehren oder zu moralisieren („man“)?

Schritt 6:

Waren wir offen für den Geist Gottes, als wir einen persönlichen Vorsatz genommen, über Aktionen gesprochen oder Pläne gemacht haben? Haben alle die Gelegenheit gehabt, zu sagen, was sie sagen wollten? Hat jemand zu lange gesprochen?

Schritt 7:

Haben alle genügend Zeit bekommen, um spontan beten zu können?

Weitere Fragen:

Was hat der Leiter/die Leiterin gut gemacht?

Was kann er/sie noch besser machen?

Haben wir auch andere ermutigt, die 7 Schritte zu leiten?

 

 

Kriterien für die Bewertung der Methoden von Bibelarbeit

In den verschiedenen Methoden der praktischen Bibelarbeit wird von einem bestimmten Gesichtspunkt her versucht, den Reichtum des Textes zu erheben. Wie die wissenschaftlichen, so privilegieren auch die praktischen Methoden je bestimmte Gesichtspunkte, und deshalb ist jeweils zu überprüfen, ob die Methoden dem biblischen Text angemessen sind.

Die Katholische Bibelföderation hat für diesen Zweck auf der Grundlage des 2. Vatikanums (Dei Verbum, 12, "Die Interpretation der Bibel in der Kirche" - Dokument der Bibelkommission) Kriterien für die Beurteilung praktischer Methoden der Bibelarbeit herausgearbeitet:

 

1. Suche nach dem wörtlichen Sinn der Schrift

Eine Methode der Bibelarbeit ist dann angemessen, wenn sie den Teilnehmer befähigt, den ursprünglichen Sinn des Textes zu erarbeiten. Wenn dieser ursprüngliche Sinn nicht erfasst wird, ist die Aktualisierung nicht in angemessener Weise möglich ("Die Interpretation der Bibel in der Kirche" IV,A 2). Es ist der Versuch, exegetische Erkenntnisse zu erarbeiten und fruchtbar zu machen für die Bibelarbeit.

2. Berücksichtigung der Einheit der Schrift

Eine Methode der Bibelarbeit ist dann angemessen, wenn sie die Einheit der Schrift berücksichtigt (DV). Das bedeutet u. a., dass auch die Auswahl von Texten der Gesamtaussage der Schrift entsprechen muss.

3. Berücksichtigung der Tradition der Kirche

Eine Methode der Bibelarbeit ist angemessen, wenn sie die Auslegung und Wirkungsgeschichte der Kirche berücksichtigt (DV). Die Berücksichtigung der Auslegung der Kirchenväter und auch der gelebten Kommentare im Leben der Heiligen und das Zeugnis der Märtyrer ist ein Zugang zum Sinn der Schrift.

4. Berücksichtigung der Analogia fidei (Glaubensgemäßheit)

Eine Methode der Bibelarbeit ist angemessen, wenn sie der Gesamtaussage des Glaubens gerecht wird (DV). Die Aussage der Kirche findet sich in den Glaubensbekenntnissen, in den liturgischen Texten, in den kirchlichen Entscheidungen. Diese sind Orientierungspunkte für die persönliche Lesung und die Schriftauslegung.

5. Die Feier in einer liturgischen Form

Eine Methode der Bibelarbeit ist angemessen, wenn sie jene Elemente aufweist, die im Wortgottesdienst und in der Liturgie verwendet werden. Der wirksamste liturgische Weg zur Bibel ist die "Liturgie des Wortes", besonders wenn diese im Rahmen der Messe stattfindet (2 Thess 3,1: "Im Übrigen, Brüder, betet für uns, damit das Wort des Herrn sich ausbreitet und verherrlicht wird, ebenso wie bei euch.").

6. Bezug auf die heutige Welt und auf ihre Situationen

Eine Methode der Bibelarbeit ist angemessen, wenn sie die Reflexion über die Welt, in der wir leben, in die Bibelarbeit aufnimmt. So sind die Fragestellungen der Ökologie, der Frauenfrage usw. zu berücksichtigen.

7. Berücksichtigung der notwendigen Beteiligung der Teilnehmer/innen

Eine Methode der Bibelarbeit ist angemessen, wenn sie den Teilnehmerinnen und Teilnehmern erlaubt, ihre Erfahrungen einzubringen. Auch sollen die vielen Interessierten (Priester, Laien, Fachleute, die Notleidenden usw.) beteiligt sein.

8. Berücksichtigung der Gefühle

Eine Methode ist angemessen, wenn sie die Gefühle der Teilnehmer berücksichtigt. „Subjektiv existiert etwas erst dann, wenn es mit einer Emotion verbunden ist.“ (Wink).

(vgl. Bi. Wilhelm Egger in: Bulletin Dei Verbum, Nr. 45: 21f)

 

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