"Bibel", was ist das eigentlich ?

 

In den Bücherregalen vieler Häuser ist sie zu finden, zu jedem Gottesdienst der Kirche gehört das Verlesen ihrer Texte, und diese ganze WebSite spricht nur von ihr. Aber worum geht es eigentlich bei der Bibel? - Die meisten Menschen wissen zwar, dass es sich um ein Buch mit alten Texten handelt, sie kennen auch die ein oder andere Geschichte, doch wenn es darum geht, ihre Bedeutung für heute oder für sie persönlich zu erklären, dann werden die Antworten sehr vage.
Auf dieser Seite wollen wir dem Phänomen "Bibel" jedenfalls etwas genauer nachgehen und uns Stück für Stück ihr Geheimnis und ihre Bedeutung erschließen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Name "Bibel"

Das Wort "Bibel" hat eine lange und seltsame Geschichte. An der phönizischen Küste, 40 km nördlich vom heutigen Beirut in der Republik Libanon, liegt seit den Jahren um 3500 v. Chr. eine Siedlung, die in alten Zeiten eine blühende Stadt war.  Um 1300 v. Chr. wird diese Stadt in einer Urkunde als gublá bezeichnet. Im AT (Ez 27,9) heißt sie gebál; die Griechen nannten sie "Byblos". Heute ist dort nur noch ein armseliges arabisches Dorf zu finden mit Namen dschebél.

Die Stadt, regiert von Vasallen des ägyptischen Königs, war u. a. der bedeutendste Umschlaghafen und Stapelplatz für Papyrusbast und Papyrus, das die Ägypter aus dem bastartigen Mark der Papyrusstaude herstellten und hier im Tauschhandel gegen Zedern anlieferten. Da gublá das ägyptische Wort für Papyrusbast war, werden die Ägypter der Stadt den Namen gegeben haben. Die Griechen, die zu den wichtigsten Bast- und Papierkäufern gehörten, nannten deshalb den Bast der Papyrusstaude, das Papier und die Bücher aus Papier kurzerhand nach dem phönizischen Umschlaghafen. Im Griechischen bedeutet býblos (später bíblos): der Bast, das Papier, das beschriebene Blatt und das Buch, und zwar auch solche Bücher (Buchrollen), die nicht aus Papyrus bestanden (Tontafeln, Lederbücher, Pergamentbücher). Eine Verkleinerungsform ist biblíon: Buch, Schrift (in der Bedeutung von "kleines Buch"), Brief.

Die vorchristlichen Griechen nannten ihre prophetischen und gottesdienstlichen Bücher bíbloi hiërái: heilige Schriften. Diese Redeweise war schon um 200 v. Chr. auch bei den griechisch sprechenden Juden üblich geworden; später werden bei Philon (20 v. bis 50 n. Chr.) und Flavius Josephus (37-100 n. Chr.), die beide griechisch schrieben, die Bücher des AT immer wieder bíbloi hiërái genannt. Der Kirchenvater Hieronymus (347-420), der im Auftrag des Papstes Damasus die lateinische Fassung der Bibel revidierte, übernahm also nur einen alten Brauch, als er die Sammlung der Heiligen Bücher "die Schriften" nannte, eine Bezeichnung, die damit als Mehrzahlwort biblia auch ins Lateinische überging.

Im späten Mittelalter wurde diese Mehrzahlform immer mehr als weibliche Einzahlform gebraucht, was ein sprachgeschichtlich verständlicher Vorgang ist, da die a-Endung sowohl die des Neutrums Pluralis wie auch die des Femininum Singularis ist. Biblia als Singularform bedeutet nunmehr das Buch, das wichtigste Buch, das Buch schlechthin - eben "die Bibel". Im Deutschen brauchen wir daneben, in Anlehnung an den ursprünglichen Wortsinn von biblia, das Wort "die Schrift".

Papyrusstaude und Papyruspapierherstellung

Die Papierstaude (Cyperus papyrus) ist ein mittelmeerländisches Riedgrasgewächs, das bis zu 4,5 m hoch wird; eine Wasserstaude, die im Niltal Altägyptens sehr verbreitet war. Die Halme werden zu Flechtarbeiten verwendet; die fleischigen Wurzeln sind als Gemüse zu verwerten.

Kulturgeschichtlich am wichtigsten wurde jedoch die Herstellung von Papyrus, bei der das Mark in möglichst dünne und breite Streifen geschnitten und diese jeweils rechtwinklig übereinander gelegt wurden. Anschließend wurden die Schichten mit Wasser angefeuchtet, gepresst, getrocknet und mit Elfenbein oder einer Muschel glatt gerieben. Der getrocknete Pflanzensaft sorgte für den Zusammenhalt der Papyrusstreifen. Es gab Papyrus-"Papier" in verschiedenen Qualitäten, vom einfachen Packpapier bis zu feinem Material, das für besonders wertvolle Texte vorbehalten war. Die einzelnen Papyrusblätter, deren Format zwischen etwa 12 × 20 und 20 × 40 Zentimeter variierte, wurden nach der Fertigstellung zu Rollen zusammengefügt, die bis zu 40 Meter lang sein konnten; später wurden aber auch Blätter zu Kodizes (unsere Buchform) zusammengebunden. Beschrieben wurde der Papyrus mit einer Art Tusche, die als Farbstoff Ruß oder auch Ocker enthielt und die man mit einem geritzten Rohr (kálamos) auftrug.

(Vgl. H. A. Mertens. Handbuch der Bibelkunde. Patmos, Düsseldorf ,21984: 7f)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jer 31,31-34:
Seht, es werden Tage kommen - Spruch des Herrn -, in denen ich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde, nicht wie der Bund war, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägypten herauszuführen. Diesen meinen Bund haben sie gebrochen, obwohl ich ihr Gebieter war  - Spruch des Herrn. Denn das wird der Bund sein, den ich nach diesen Tagen mit dem Haus Israel schließe - Spruch des Herrn: Ich lege mein Gesetz in sie hinein und schreibe es auf ihr Herz. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein.
[Gegensatz: das auf Steintafeln geschriebene Gesetz vom Sinai.] Keiner wird mehr den anderen belehren, man wird nicht zueinander sagen: Erkennt den Herrn!, sondern sie alle, Klein und Groß, werden mich erkennen - Spruch des Herrn. Denn ich verzeihe ihnen die Schuld, an ihre Sünde denke ich nicht mehr.

 

Was bedeutet "Testament"?

Die Bibel besteht aus zwei Schriftensammlungen, von denen die Christen die erste und umfangreichere das Alte Testament (AT), die zweite und kleinere das Neue Testament (NT) nennen. Das Wort „Testament“ meint allerdings nicht ein Testament im heute gebräuchlichen Sinn; schauen wir deshalb ein wenig auf die Bedeutungsgeschichte dieses Wortes:

Als schon in vorchristlicher Zeit die hebräische Bibel ins Griechische übersetzt wurde, gaben die jüdischen Übersetzer das hebräische Wort für Bund (berit) mit dem griechischen Begriff diathäkä wieder. In der griechischen Sprache der Zeit Jesu und der Apostel war das mehrdeutige diathäkä („Bündnis“, aber auch „Anordnung“ und „letzter Wille“) sehr gebräuchlich; Paulus z. B. bezeichnet in 2 Kor 3,14 das Gesetz des Mose als die alte diathäkä (Anordnung). Als die Bibelschriften dann ihre lateinische Form bekamen, wurde das lateinische Wort testamentum, das dem griechischen diathäkä im Sinn von „letzter Wille“ entspricht, als dessen allgemeine Übersetzung benutzt und erhielt so auch den erweiterten Sinn von „Bund“. Bei "Testament" geht es also um einen Bund zwischen Gott und Menschen, durch den sich einerseits Gott verpflichtet, sein Volk mit Segen und Gütern zu überschütten, durch den aber andererseits auch die Menschen in Pflicht genommen werden, Gott zu dienen.

Ursprünglich waren mit „Altes Testament“ und „Neues Testament“ nicht Bücher, sondern die beiden göttlichen Bundesordnungen gemeint: der Bund, den Jahwe-Gott mit Israel begründete (Alter Bund) und der Bund, den Jesus Christus zwischen Gott und allen Menschen besiegelte (Neuer Bund). Schon in 2 Kön 23,2.21 und 1 Makk 1,57 ist jedoch von einem „Buch des Bundes“, also von einer Urkunde, die Rede, welche die von Gott erlassenen Anordnungen für das Bündnis enthält. In diesem Sinn nennt der hl. Paulus in 2 Kor 3,14 das schriftlich niedergelegte religiössittliche Gesetz des vorchristlichen Bundesvolkes die palaia diathäkä, „das alte Testament“. Diesem Sprachgebrauch folgten die frühchristlichen Schriftsteller und sprachen darum seit dem 2. Jahrhundert vom „Alten Testament“, wenn sie an die aus der vorchristlichen Zeit stammenden Offenbarungsurkunden, d. h. den ersten, umfangreicheren Hauptteil der Bibel, dachten. Das „Neue Testament“ erhielt seine Bezeichnung nach den Worten, die Jesus selbst in Anspielung an den Propheten Jeremia (siehe linke Spalte) beim Letzten Mahl spricht (rechte Spalte). Es handelt sich um die von den Aposteln und Apostelschülern niedergeschriebenen Offenbarungsurkunden im zweiten, kürzeren Hauptteil der Bibel.

Das Wort „Neu“ in der Bezeichnung „Neues Testament“ zielt allerdings nicht auf die Verdrängung, sondern auf die Erfüllung des Alten Testaments, mit dem es in lebendiger und durchgehender Verbindung steht. Um einer missverständlichen Abwertung des mit „Alt“ bezeichneten Testaments entgegenzuwirken, wird es heute vielfach auch „Erstes Testament“ genannt.

(Vgl. Josef Scharbert, Heinrich A. Mertens, Xavier Léon-Dufour)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Lk 22,20:
Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Alte Testament: Worum geht's?

Die Bücher des Alten Testaments könnten uns auf den ersten Blick als die Nationalliteratur des israelitisch-jüdischen Volkes erscheinen. Wenn sie dies jedoch wären, gehörten sie heute kaum zur Weltliteratur. Sie stehen deshalb innerhalb der Weltliteratur an führender Stelle, weil die ganze Welt in ihrem Blickfeld liegt. 

Wer das Alte Testament mit seiner Hand umschließt, der umschließt nicht ein Buch, sondern er umschließt die Welt aller Zeiten, denn das Alte Testament schaut zurück bis auf den "Anfang" aller Zeit (Gen 1,1) und schaut in die Zukunft bis zum "Ende der Tage" (Jes 2,2; Ez 38,16). 

So vielgestaltig auch die Themen sein mögen, mit denen sich die alttestamentlichen Schriften beschäftigen, letztlich lassen sie sich doch auf zwei zurückführen: auf Gott und den Menschen. Doch sind dies in Wirklichkeit nicht zwei verschiedene Themen, sondern nur ein einziges, das sich von der ersten bis zur letzten Seite durch das ganze Alte Testament hindurchzieht: Wie steht es zwischen Gott und Mensch? Wie verhält sich Gott zum Menschen, und wie verhält sich der Mensch zu Gott? 

Dabei erscheint der Mensch eindeutig als ein heilsbedürftiger Mensch und Gott als ein heilwirkender Gott. Wir könnten also auf die Frage, welches das eine und einzige Thema des Alten Testaments sei, auch antworten: es ist das Heil, das Gott dem Menschengeschlecht bereitet. "Alle Enden der Erde schauen das Heil unseres Gottes." (Jes 52,10), so lautet die große Botschaft des Alten Testaments. 

Es geht dabei nicht nur um die Botschaft des Heiles, das Gott in der Zukunft wirken wird. Das Alte Testament ist vielmehr die Botschaft des Heiles, das Gott bereits zu veranstalten begonnen hat, und zwar in der Weise, dass er sichtbar in die Geschichte eingegriffen hat. Gottes Heilstun ist ein geschichtsmächtiges Tun. Sein Eingreifen in die Geschichte offenbart seine Heiligkeit, seine Macht, seine Gerechtigkeit, seinen Zorn, seine Barmherzigkeit, seinen Heilswillen. Gottes Eingreifen in die Geschichte und seine Offenbarung sind somit nicht zwei verschiedene Aktionen Gottes. Sein Eingreifen in die Geschichte ist vielmehr auch seine Offenbarung. 

(Vgl. Herbert Haag. In: Josef Rudin (Hg.), Religion und Erlebnis. Walter, Olten, 1963: 101f.)

 
 

 

 

 

Das Neue Testament: Worum geht's?

Das Neue Testament versteht Jesus Christus als Erfüllung der alttestamentlichen Geschichte, als Vollendung einer Offenbarungsgeschichte, welche die Wahrheit des nahen Gottes in einem leidvollen und durchaus nicht geradlinigen Werdeprozess an den Tag brachte: Das verheißene messianische Friedensreich, das Reich Gottes, in welchem Gott dem Menschen endgültig nahe ist, liegt nicht mehr in einer fernen Zukunft; es hat auf überraschend menschliche Weise Gestalt angenommen - in einem Menschen. Es hat angefangen im Menschen Jesus, der, radikaler noch als der leidende Gottesmensch des Alten Testaments, sich von Gott in Dienst nehmen ließ und seine Nähe lebte. 

Das messianische Reich Gottes und der leidende Gottesknecht in eines gedacht - das also ist die Erfüllung der alten Hoffnungen, das ist die Wahrheit Jesu Christi, so offenbart sich der nahe Gott auf endgültige Weise. Jesus lebte die befreiende und sinnstiftende Nähe Gottes und brachte sie durch sein Leben - im Letzten dann auch durch sein Sterben - den Menschen nahe. Denen, die sich auf ihn einließen, wurde er zur Offenbarung. Diese Offenbarung und die in ihr erfahrene Nähe Gottes lässt sich nicht durch Worte weitergeben. Sie lässt sich jedoch durch Worte bezeugen. So ist das Neue Testament das Zeugnis der frühen christlichen Gemeinden von dem, was sie in und durch Jesus Christus erfahren haben.

Die Hoffnung will in die Ferne schweifen; Gott aber ist näher. Er ist in der sich aufreibenden und hingebenden Liebe eines Menschen. Und überall dort, wo Menschen sich fortan auf diesen Menschen einlassen und von ihm her ihr Leben bestimmen lassen, geschieht Offenbarung des nahen Gottes, ist Reich Gottes mitten unter ihnen.

(Vgl. Wolfgang Wieland. Offenbarung. In: Kath. Landesarbeitsgem.für Erwachsenenbildung in Rh.-Pfalz e. V. (Hg.), Warum Christen glauben. TR-Verlagsunion, München, 1989: 60f.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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