Reise ins "Heilige Land"

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Ein strammes Programm für den ersten Tag (2. Mai): Shivta, Wadi Zin, Avdat, Ben-Gurion-Park.

Shivta    53 km südwestlich von Beerscheba liegt abseits der großen Karawanenstraßen des Altertums die Ruinenstadt Shivta. Shivta (von nabatäisch Shevet = Stamm) wurde zu Beginn des 1. Jhts. v. Chr. während der zweiten Welle nabatäischer Kolonisation gegründet. Sie entwickelte sich zu einem bedeutenden landwirtschaftlichen Zentrum und wuchs zur größten Stadt des Negev heran. Die Wasserversorgung der Bevölkerung und der umliegenden Güter basierte auf einem riesigen Doppelreservoir, um das sich zu beiden Seiten des Wadi die verschiedenen Stadtviertel bildeten. Die scheinbar ungeordneten Straßen folgten dem Lauf der Kanäle, die das seltene Regenwasser von den sanften Hängen zu den Zisternen leiteten. Shivta war eine unbefestigte Stadt, da sie keine besondere strategische Bedeutung hatte. Zur Blütezeit zählte sie zwischen 6.000 und 7.000 Einwohner. Nach der Verlegung der Karawanenstraße verlor sie an Bedeutung und ab dem 10. Jht. war sie nicht mehr bewohnt.
Die eindrucksvollsten Relikte bilden drei kulturgeschichtlich interessante byzantinische Kirchen, zwei davon mit gut erhaltenen Baptisterien (Taufbecken) sowie zahlreiche restaurierte nabatäische Wohnhäuser.

Die Nabatäer    waren ein semitischer Stamm (857 v. Chr. von Assurbanipal als Feinde Assurs erwähnt), der in Edom an der Karawanenstraße vom Roten zum Mittelmeer im 4. Jht. v. Chr. ein Königreich errichtete. Ihre Hauptstadt war Petra, sie beherrschten aber auch Bosra und Damaskus. Tempel der Nabatäer wurden in Khirbet Tannur und im Wadi Rum ausgegraben. In Madain Saleh schufen sie Felsengräber mit bildhauerisch bearbeiteten Fassaden. Ihre Kunst verbindet hellenistische mit assyrischen, babylonischen und römischen Elementen. Das Reich der Nabatäer wurde 106 v. Chr. als Provinz Arabia Petraea von den Römern annektiert.

Die "Chamsin" genannte Wetterlage machte uns in den ersten Tage zu schaffen und verwehrte uns einen klaren Blick in die Ferne. Dafür war das in der Nähe zu Sehende umso interessanter. Wir sind auf dem Weg ins Stadtzentrum von Shivta. Es eröffnet sich vor uns der große Platz mit den beiden Wasserreservoirs (in der geraden Verlängerung dieser Straße als Vertiefungen zu erkennen), darüber ist die Apsis der Südkirche zu sehen, welche sich bis zum rechten Bildrand erstreckt.

Blick von der Apsis der Südkirche in Richtung Westen. Hier haben wir unter freiem Himmel und auf historischem Gestein Messe gefeiert, so wie es Christen vor vielen Jahrhunderten am selben Ort auch getan haben.

Das Baptisterium der Südkirche. Stufen führen in das kreuzförmige Taufbecken hinab, denn die meist erwachsenen Täuflinge wurden im 4. und 5. Jht. untergetaucht.

Auf dem Türsturz dieses rekonstruierten Wohnhauses ist von zwei Kreuzformen eingerahmt das XP-Symbol dargestellt. Es sind die griechischen Anfangsbuchstaben von Jesus Christus, die auch als Christusmonogramm bezeichnet werden.

Mit der Bibel in der Hand durften wir eine halbe Stunde lang in der Einsamkeit der Wüste meditieren.

Wird der Boden bewässert wie an dieser Raststätte, so lockert sich das staubige Wüsteneinerlei durch blühende, bunte Flecken auf. Die Bewässerung erfolgt übrigens automatisch und sehr sparsam: Gummischläuche mit kleinen Löchern, aus denen Wasser nur tropfenweise heraustritt, werden in Windungen um die Pflanzen verlegt.

Wadi Zin    Mit der geotektonischen Absenkung des Arava-Tals entstanden Höhenunterschiede von Hunderten Metern zwischen dem Senkeboden und den vielen ostwärts fließenden jahreszeitlichen Bächen. Es entstanden hohe Wasserfälle, die über Jahrhunderte ihr Erosionswerk fortsetzten und tiefe Schluchten in den Felsen schnitten. Es erfolgte eine sogenannte rückwärtige Erosion, die die weichen Unterschichten des Bodens auswusch und das Einstürzen der härteren darüber gelegenen Felsschichten verursachte. Die Basalt-Schichten sind weich und enthalten hauptsächlich Lehm und Mergel von rötlicher und grünlicher Färbung. Die Entstehungszeit des Wadis in seiner gegenwärtigen Form wird für 45.000 Jahre vor unserer Zeit angenommen.
Die beiden vorhandenen Quellen lassen im näheren Umkreis kleine Oasen entstehen, in denen es eine Fülle an blühender Vegetation gibt. Die grüne Farbe harmonisiert auf wunderbare Weise mit dem Weiß der Kalksteinschichten; Schilf, Binsen, Salzgras und der Wüstenstrauch Nitraria treten auf diesem Hintergrund deutlich hervor. Das Wadi Zin ist eine bezaubernde Landschaft, die zu den schönsten des Negev gehört.

Im Ein-Avdat-Park durchschreiten wir das Wadi Zin.

Eine karge und eindrucksvolle Schlucht eröffnet sich vor uns.

Wo Wasser ist, da sprießt es in allen Grüntönen um die Wette.

Avdat    liegt in einem bergigen Gebiet in einer Höhe von ca. 600 Metern über dem Meeresspiegel. Mit einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von ca. 100 mm pro Jahr herrscht Wüstenklima. Avdat hat seinen Namen vom Nabatäer-Konig Abdat II. erhalten, einem Zeitgenossen Herodes des Großen. Im Jahre 106 n. Chr. wurde das Nabatäerreich von Kaiser Trajan dem römischen Imperium einverleibt. Nach kurzem Niedergang ist Avdat vor allem unter den Byzantinern zu einer bedeutenden Festung gegen die südlichen Beduinenstämme ausgebaut worden, bis es 634 n. Chr. den arabischen Heeren zum Opfer fiel.

Blick über die Wüste Zin. Hier lagerten die Israeliten unter Mose (Num 33,36). 
Links von der diagonal verlaufenden Straße sind als kleine Punkteanhäufungen Beduinenlager auszumachen.

Blick über das Wadi Zin von der Ben-Gurion-Gedenkstätte aus. David Ben Gurion ist einer der bedeutendsten Persönlichkeiten in der Geschichte seines Volkes. Am 14. Mai 1948 proklamierte er den Staat Israel und wurde dessen erster Ministerpräsident. Nachdem er 1953 von seinem Amt zurückgetreten war, zog er mit seiner Frau Paula in eine Hütte des Kibbuz Sede Boqer, wo er selbst mithalf, den Traum von der blühenden Wüste zu verwirklichen. 

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