Reise ins "Heilige Land"

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Wir blieben am 7. Mai in der Umgebung des Sees: Korazim, Betsaida, Gamla, Kursi.

Korazim    Etwa 3 km nördlich von Kapernaum liegen auf einer schattenlosen, mit Gebäudetrümmern übersäten vulkanischen Bergterrasse die Überreste der Stadt Korazim oder Chorazin und ihrer kulturgeschichtlich interessanten Synagoge. Das schwarze Vulkangestein vermittelt selbst bei strahlendem Sonnenschein ein Gefühl unendlicher Trostlosigkeit. 
Eine Quelle und der fruchtbare Vulkanboden mögen der Anlass für die bereits im Neolithikum erfolgte Siedlungsgründung in Korazim gewesen sein. Um die Zeitenwende entwickelte sich das Dorf zu einer kleinen Stadt, die nur der Talmud und die Evangelien des Matthäus und des Lukas erwähnen. Korazim war neben Betsaida und Kafarnaum eine der drei Städte, denen Jesus vorwarf, seine Lehre nicht annehmen zu wollen (Mt 11,20-24; Lk 10,13).
Nach dem zweiten jüdischen Krieg (132-135 n. Chr.) ließen sich zahlreiche aus Jerusalem vertriebene Juden in Galiläa nieder und brachten auch Korazim einen gewissen Wohlstand. Korazim und seine Synagoge wurden vermutlich um das Jahr 300 durch ein schweres Erdbeben zerstört. Eusebius (+ 339), Bischof von Cäsarea, erwähnt den Ort in seinem Onomastikon (Wörterverzeichnis) als Trümmerstätte.

Um die Wende vom 2. zum 3. Jht. n. Chr. errichteten die Einwohner eine große Synagoge, die wie alle Häuser der Stadt aus Blöcken schwarzen Basalts bestand. An der Südseite, also in Richtung Jerusalem, befanden sich die drei Eingänge, die über eine schmale Terrasse zu erreichen waren.

Drei Säulenreihen trennten das Mittelschiff von den beiden Seitenschiffen und dem nördlichen Umgang. An den Seiten der Halle waren basaltene Sitzbänke aufgestellt.

Der "Stuhl des Mose", wohl der Ehrensitz für den Schriftgelehrten (vgl. Mt 23,2). Aus einem einzigen Basaltblock gehauen ist er im 3. Jht. n. Chr. entstanden. Die Rückenlehne ist mit einer Rosette verziert. Auf der Frontseite der Sitzfläche findet sich die aramäische Inschrift: "Zum guten Andenken an Judan, Sohn des Jischmael, der diese Stoa errichtet hat und ihre Treppen. Für sein Werk möge er seinen Teil haben unter den Gerechten."

Ein wiederaufgebautes Wohnhaus mit eindrucksvollen Bögen, auf die man als Dachkonstruktion Steinplatten legte. - So klein etwa kann man sich das Fenster vorstellen, durch das im Hohenlied (2,9) der Geliebte spähte, um seine Freundin zu entdecken.

Ein Wasserreservoir im Bereich des rituellen Bades.

Blick vom zentralen gepflasterten Platz, der von Wohnhäusern umgeben ist, auf die Synagoge.

Betsaida    Auf dem Siedlungshügel et-Tell wird das Betsaida der Evangelisten vermutet, der Geburtsort der Apostel Petrus, Andreas und Philippus. Jakobus und Johannes unterhielten hier mit ihrem Vater einen kleinen Fischbetrieb.
Der Name Betsaida (= "Fischhausen") weist darauf hin, dass der Ort am See lag, und tatsächlich bildete der See Gennesaret vor 2000 Jahren hier eine Bucht, die erst allmählich von den Ablagerungen des Jordan aufgefüllt wurde. Auf der Ostseite des Jordan liegend gehörte Betsaida zur transjordanischen Tetrarchie des Philippus. Der Fluss bildete die natürliche Grenze zur Tetrarchie des Herodes Antipas.
Gleich nach dem Tode Herodes des Großen im Jahre 4 v. Chr. erhob sein Sohn Philippus "den Flecken Betsaida, der am See Gennesar lag, zum Range einer Stadt" und nannte sie nach der Tochter des Kaisers Augustus Julias. Der Tetrarch Philippus hielt sich gern in Betsaida-Julias auf, das an der wichtigen Via Maris lag, und ließ sich hier sogar ein prächtiges Mausoleum errichten, in dem er im Jahre 34 beigesetzt wurde.

Betsaida war mit einem massiven Vierkammer-Stadttor ausgestattet, dessen Eingang von zwei großen Türmen flankiert war. An der Toröffnung stehen Stelen, von denen eine mit einer stierköpfigen Gestalt verziert ist. Beim Hineingehen in die Stadt wussten so auch Fremde, welchen Götter sich die Bewohner zum Schutz anvertrauten.

Die Ausgrabung brachte ein Wohnviertel zum Vorschein, das auch zwei sogenannte Hofhäuser enthielt. Das eine davon, das sogenannte Fischerhaus (im Bild), wurde nach den vielen Fischereiutensilien benannt, die dort gefunden wurden. Das andere war das Haus des Winzers; Rebmesser und einen Vorratskeller mit großen Gefäßen zur Weinaufbewahrung hat man dort entdeckt.

Eine hier aufgefundene Kornmühle. Das Korn wurde auf die poröse Oberfläche des Steins gestreut und durch Hin- und Herschleifen des kleineren Basaltblocks zu Mehl verarbeitet. Eine mühsame Aufgabe.

Ausgehobene und mit Steinen eingefasste Erdgruben dienten als Lager- und Vorratsräume. In diesem hier wurde Wein gelagert.

Gamla    Was Massada am Toten Meer im Süden Israels war, das war Gamla am Nordrand des Landes: ein Ort des Widerstands gegen die römischen Eroberer. Gamla war eine Stadt im Golan, östlich des Sees Genesaret, in der Nähe von Tarichäa. Das Wort "Gamla" kommt von dem hebräischen Wort für Kamel "gamal", denn die Stadt schmiegte sich an einen Hügel, der die Form eines Kamelrückens hatte.
Der jüdische Geschichtsschreiber Josephus Flavius beschreibt in seinem Buch "Der Jüdische Krieg" (IV,1) die Lage der Stadt so: "es war auf einem rauhen Kamm eines hohen Berges gelegen, mit einer Art Hals in der Mitte: wo es anfängt aufzusteigen, verlängert es sich selbst und fällt nach vorne genauso viel ab wie nach hinten, so dass es die Umrisse eines Kamels zeichnet..."

Schon in der Bronzezeit entstand eine Ansiedlung, so dass Gamla von sich behaupten konnte, die erste befestigte Stadt auf dem Golan zu sein. Viele jüdische Menschen siedelten sich im zweiten Jahrhundert vor der Zeitrechnung hier an. Der Golan war zur Zeit Herodes des Großen Grenzgebiet, das Räuberbanden als Rückzugsgebiet diente. In Gamla lebten viele Juden, die selbst oder deren Vorfahren aus Babylon gekommen waren. Sie legten großen Wert auf eine religiöse Lebensführung, worauf viele archäologische Entdeckungen einen Hinweis geben. Die Synagoge wurde wahrscheinlich zu Beginn des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung erbaut. Es ist eine der ältesten Synagogen überhaupt, die man in Israel entdeckt hat.

Nach dem Tod des Königs Agrippa I. im Jahr 44 n. Chr. veränderte sich das Leben in Gamla schlagartig, denn nun stand Judäa unter römischem Protektorat. Im Jahre 66 schloss sich die Stadt dem Aufstand gegen die Römer an. Kurz vor der Revolte beeilten sich die Bewohner, angeführt von Josephus Flavius, Führer des Aufruhrs in Galiläa, auf der Ostseite eine Stadtmauer zu errichten und sie zu verstärken. Diese begann am runden Wachturm auf der Spitze des Hügels (im Bild zu sehen) und reichte bis hinunter zum Dalyot-Flussbett. Die östlichst gelegenen Häuser der Stadt sowie die äußere östliche Wand der Synagoge (als Ruine erhalten) wurden in die Mauer integriert.

Als 66 n. Chr. der jüdische Aufstand gegen die Römer losbrach, war Gamla eine starke Festung, die zudem nur von der Ostseite her erreichbar war. Dieser Zugang wurde zusätzlich durch einen Graben gesichert. Die Stadt stand unter der Herrschaft Agrippas II., der mit den Römern zusammenarbeitete und die Stadt im Frühling 67 belagerte. Nach sieben Monaten musste er sich jedoch erfolglos zurückziehen.
Daraufhin eilte der römische Feldherr Vespasian an der Spitze dreier römischer Legionen und weiterer Verstärkung nach Judäa und belagerte die Stadt erneut. Nach einem Monat gelang es den Römern, die Stadtmauer zu durchbrechen und in die Stadt einzudringen. Doch die Einwohner schlugen die Eindringlinge in die Flucht, indem sie sich von den Dächern ihrer Häuser aus mit Steinen und Wurfgeschossen zur Wehr setzten.
Erst einige Tage später, beim zweiten Versuch, gelang es den Römern, die jüdischen Verteidiger zu überwältigen. Nach Josephus Flavius kostete dieser römische Sieg etwa 9.000 Juden das Leben. Es waren die Einwohner der Stadt und Leute aus den umliegenden Dörfern, die sich während des Aufstandes auf der Suche nach Schutz in die Stadt geflüchtet hatten. Mit dieser Eroberung war die letzte jüdische Siedlung in Galiläa gefallen und damit ganz Galiläa in römischer Hand.

Nach der Zerstörung Gamlas im Jahr 67 n. Chr. wurde es nicht wieder aufgebaut und geriet für 1900 Jahre in Vergessenheit, bis es 1968 wiederentdeckt wurde und die Ausgrabungen begannen. -
Ein Adler dreht seine Runden über der sogenannten, nördlich von Gamla sich eröffnenden Geierschlucht.

Kursi    liegt östlich des Sees Gennesaret, sieben Kilometer nördlich von Ein Gev. Kursi wird mit Gergesa oder Gerasa, dem "Land der Gerasener, das Galiläa gegenüberliegt" identifiziert. Nach christlicher Tradition wird hier das "Schweinewunder" (Lk 8,26-39, Mt 8,28-34, Mk 5,1-20) lokalisiert.
Das Neue Testament berichtet, dass die bösen Geister, die Jesus aus einem Mann ausgetrieben hatte, in eine Herde von Schweinen fuhren, die in der Nähe weidete. Die Schweine rasten daraufhin in den See Gennesaret und ertranken. 
Die Archäologen identifizieren den Ort mit dem antiken Kurshi, das im Talmud als Ort der Götzen-Verehrung erwähnt wird. Bei den erst 1970 begonnenen Ausgrabungen wurden die Überreste des größten bislang bekannten byzantinischen Klosters in Israel gefunden. Der Klosterkomplex war von einer Steinmauer umgeben und umfasste eine Fläche von 145 x 123 m. In seiner Mitte befand sich eine 45 x 23,5 m große Kirche.

Das Kloster und die Kirche wurden im 6 Jht. erbaut. Die Kirche hat die Form einer Basilika, zwei Säulenreihen trennen das Mittelschiff von den beiden Seitenschiffen. In der Nähe der nach Osten ausgerichteten Apsis wurde ein Baptisterium gefunden, im Vorhof der Kirche eine Ölpresse. Eine Reihe von Gebäuden, die auf dem eingefriedeten Gelände angesiedelt waren, dienten zur Unterbringung der damals zahlreichen Pilger.

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