Reise ins "Heilige Land"

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Der 10. Mai eröffnete uns die Welt von: Tell Dan, Banyas (Cäsarea Philippi) und den Mount Bental.

Tell Dan   Im Dreiländereck Libanon, Syrien und Israel liegt, 9 km östlich von Qiryat Shemona, der Siedlungshügel der biblischen Stadt Dan, zu Füßen des schneebedeckten Hermon. Tell Dan ist eingebettet in das urwaldähnliche Quellgebiet des Flusses Dan, wo syrische Eschen, Taboreichen, Lorbeerbäume, Pistazienbäume und riesige Myrtenbüsche gedeihen.
Zu Beginn des 11. Jhts. v. Chr. vertrieben die Philister den israelitischen Stamm Dan aus seinem ursprünglichen Siedlungsgebiet westlich von Jerusalem. Die Daniter zogen daraufhin nach Norden und ließen sich in der überaus fruchtbaren Landschaft zwischen Hermon und Hule-See nieder, nachdem sie die dortigen Bewohner kurzerhand ausgerottet hatten. Sie bauten das von ihnen zerstörte Lais wieder auf und machten es unter dem Namen Dan zum Hauptort ihres Territoriums (Ri 18,27-29). Dan war die nördlichste Stadt Israels, denn "von Dan bis Beerscheba" erstreckte sich nunmehr das Einflussgebiet der Israeliten (Ri 20,1; 1 Sam 3,20).
Auf ihrem Zug nach Norden hatten die Daniter im Gebirge Efraim einem gewissen Micha ein metallenes Gottesbild geraubt, das sie im Tempel von Dan aufstellten (Ri 18,13-31). Nach der Spaltung des Reiches Israel wurde Jerobeam I. (um 930-908) König des Nordstaates. Um auch die religiöse Trennung von den Südstämmen zu vollziehen, ließ er zwei goldene Stiere gießen, von denen er je einen als Gottessymbol in den uralten Heiligtümern von Bet El und Dan aufstellte. Das Volk zog nun "bis nach Dan, vor das eine Kalb" (1 Kön 12,26-30). Die Grenzstadt Dan hatte im 9. Jht. v. Chr. unter den ständigen Kriegen zwischen Israel und Aram sehr zu leiden (1 Kön 15,20). 732 v. Chr. endete mit dem Einmarsch der Assyrer die Geschichte der Stadt.

Auf dem hohen Siedlungshügel von Dan wurde ein Mauerwerk aus der Frühen und der Mittleren Bronzezeit, also aus dem 3. und 2. Jahrtausend v. Chr., freigelegt.

Im Süden des Hügels fand man die Überreste eines mächtigen Stadttores aus dem späten 10. Jht. v. Chr. Im gepflasterten Hof findet sich gegenüber der äußeren Toröffnung das Fundament für eine Überdachung. Rechts ist eine Bank, auf der wohl einst die Ältesten der Stadt saßen. Es ist wahrscheinlich, dass an dieser Stelle Delegationen dem König der Stadt Gaben überbrachten. (vgl. 2 Sam 19,9)

Die Darstellung einer solchen Huldigungsszene im Tor. Links, unter dem Baldachin sitzend, der König mit einem Diener. Vor ihm Menschen, die Gaben bringen. Rechts die Ältesten, die das Ganze aufmerksam beobachten.

Von dem Tor führt eine gepflasterte Straße zur Oberstadt hinauf. Sie endet vor einer 18,7 x 18,2 m großen, von breiten Stufen umgebenen Plattform, die wohl ein israelitisches Heiligtum barg; vielleicht stand hier gar das Goldene Kalb des Jerobeam. Archäologen haben mit einem Metallgerüst die Umrisse des damaligen Opferaltars nachzuempfinden  versucht.

Darstellung einer Opferszene. Links die Spender des Tieropfers; um den Altar die Priester, die unter Anrufungen einen Stier schlachten; rechts ein Tempeldiener.
(vgl. 1 Kön 12,32f)

Tell Dan zählt zu den reizvollsten Naturreservaten Israels. Der Weg führt den Wanderer durch einen Urwald am rauschenden Dan entlang, dem größten der drei Quellflüsse des Jordan. Über unzählige Bäche und Rinnsale gelangt man bis zum paradiesischen Quellsee am Fuße des alten Siedlungshügels.

Jährlich strömen aus der größten Karstquelle des Nahen Ostens 220 Millionen m3 Wasser. Von seinem Quellfluss Dan hat übrigens der Jordan auch seinen Namen, denn Jordan bedeutet nichts anderes als „kommt vom Dan“.

Weil alles Wasser dieses Tales Quellwasser ist, hat es eine beständig niedrige Temperatur von ungefähr 14,5° Celsius.

Die Quellen werden durch den Schnee und den Regen vom Hermongebirge gespeist. Das Wasser sickert in den Berg und teilt sich, bis es den Fuß erreicht, in Hunderte Quellen.

Ein kleiner Krebs sucht Erholung auf einem Stein.

Banyas / Cäsarea Philippi   13 km östlich von Qiryat Shemona entspringt am Fuß einer mächtigen Grotte der Banyas (auch Hermonbach genannt), der zweitgrößte Quellfluss des Jordan. An dieser Stelle lag das hellenistische Paneas, aus dem in römischer Zeit die Tetrarchenhauptstadt Cäsarea Philippi hervorging.
Die Quelle des Banyas war schon in kanaanitischer Zeit, vielleicht auch noch früher, mit dem Heiligtum einer Naturgottheit verbunden, an deren Stelle in hellenistischer Zeit der griechische Gott Pan trat. Die Stadt, die hier entstand, und auch der Fluss wurden nach diesem Gott Paneas genannt. Bei Paneas siegte im Jahre 198 v. Chr. Antiochos III. über die Ptolemäer, wodurch er Palästina und Phönizien für das Seleukidenreich gewann. Kaiser Augustus schenkte das Gebiet südlich des Hermonberges Herodes dem Großen, der dem Imperator aus Dankbarkeit neben der Quellgrotte „einen weißen Marmortempel errichtete“ (Jüd. Krieg 1, 21, 3). Herodes' Sohn Philippus (4. v. - 34 n. Chr.) erhob Paneas zur Hauptstadt seiner Tetrarchie Nordtransjordanien und gab ihr den Namen Cäsarea Philippi.

Ursprünglich entsprang der Banyas-Fluss in dieser etwa 15 m hohen und 20 m breiten Pangrotte. - „Hier steigt ein Berg in eine schwindelnde Höhe auf, und neben der unten am Berg befindlichen Schlucht öffnet sich eine düstere Grotte, in der sich ein Abgrund in unermessliche Tiefe hinabsenkt, der mit stehendem Wasser angefüllt ist. Will man mit dem Senkblei die Tiefe ausloten, so reicht keine noch so lange Schnur aus.“ (Jüd. Krieg 1, 21, 3).

Ein gewaltiger Erdrutsch blockierte jedoch die Quelle, so dass der Fluss nun unterhalb der Grotte aus den Felsen tritt und sich in mehrstufigen Teichen sammelt.

Rechts der Pangrotte wurden in hellenistisch-römischer Zeit mehrere Nischen kunstvoll in die hohe, graurote Felswand gehauen. Darin standen Statuen des bocksfüßigen Pan und anderer Natur- und Quellgottheiten. Über einigen Nischen sind griechische Inschriften angebracht: zu Ehren der Bergnymphe Echo, des musikliebenden Gottes Diopan sowie des Galerius, eines Priesters des Pan.

Von dem weißen Tempel des Herodes, der hier einst stand, sind nur mehr ein paar Marmorsteine übrig. - Als Jesus an diesen Ort kam, stellte er seinen Jüngern die Frage, was die Leute so über ihn erzählten. Für die Jünger, dann direkt befragt, was sie von ihm hielten, antwortete Petrus: "Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!" Daraufhin Jesus zu ihm: "Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen." (vgl. Mt 16,13-20)

Hier eingefasst eine der vielen Stellen, wo das kühle Nass aus dem Boden quillt.

Im Hintergrund das über allem thronende Hermongebirge. Sicht vom Bentalberg aus.

Von Näherem betrachtet kann man auf der Höhe Schneefelder ausmachen.

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