Reise ins "Heilige Land"

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Am Abend des 11. Mai erreichten wir Jerusalem. Erste Eindrücke bei einem Rundgang.

Jerusalem   (hebräisch Yerushalayim, arabisch el-Quds), die Heilige Stadt, ist - mit längeren Unterbrechungen - seit 3000 Jahren die Hauptstadt Israels. Sie ist die Tempelstadt Davids und Salomos, die Stätte der Passion und Auferstehung Christi und der Ort, von dem aus Mohammed seine Himmelsreise antrat. Sie birgt die heiligen Stätten dreier Religionen: die Klagemauer der Juden, die Grabeskirche der Christen und den Felsendom der Moslems. 
Heute präsentiert sich Jerusalem als eine hochmoderne, großzügig geplante Großstadt mit rund 429.000 Einwohnern, davon 306.000 Juden, 102.000 Moslems und 21.000 Christen. Wohl kaum eine andere Stadt der Welt bietet so extreme Kontraste hinsichtlich des Städtebaus, des Flairs der einzelnen Viertel und der Menschen, die hier leben oder die Stadt besuchen. Relikte aus allen Epochen, von der Bronzezeit bis zur Gegenwart, faszinieren den Besucher, der mindestens eine Woche benötigt, um auch nur das Allerwichtigste zu sehen, und noch nach mehrjährigem Aufenthalt nicht alles kennt.

Der erste erhebende Blick auf Jerusalem mit dem Felsendom von einer Anhöhe der Neustadt aus. - Ps 122,2f: "Schon stehen wir in deinen Toren, Jerusalem: Jerusalem, du starke Stadt, dicht gebaut und fest gefügt."
 

Die Kirche der Nationen (Getsemanikirche), deren Bau mit Spenden vieler Nationen finanziert wurde, entstand zwischen 1919 und 1924. Auf dem großartigen Giebelmosaik über dem Hauptportal erscheint Jesus als Mittler zwischen Gott und der Menschheit. Darunter steht ein Wort aus dem Hebräerbrief (5,7): "Als er auf Erden lebte, hat er mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und er ist erhört und aus seiner Angst befreit worden." Die blaugrauen Alabasterfenster tauchen das Innere der Kirche in ein Dämmerlicht, das den Besucher in die Nacht des Gründonnerstags versetzt.

Das Kidrontal. Der Kidron führt nur bis zum Frühsommer Wasser und hat keine eigene Quelle. Er sammelt das von den Hängen des Skopus, Ölberges und Tempelberges herabströmende Regenwasser, fließt durch das Dorf Silwan, wo er inzwischen unter die Straße verlegt wurde, und windet sich dann in tiefen Schluchten durch die Judäische Wüste, bis er südlich von Qumran das Tote Meer erreicht.

Die Ostmauer des Tempelberges besaß nur einen einzigen Zugang, das Goldene Tor. Zur Zeit Jesu und davor hieß es "Susa-Tor", weil viele der aus dem Exil heimkehrenden Juden aus Susa, der persischen Residenzstadt, hier durchkamen. "Goldenes Tor" nannte man den Zugang vom Kidrontal her seit byzantinischer Zeit. - Durch das Susa-Tor ritt Jesus am Sonntag vor seiner Kreuzigung. Omar I. ließ die beiden Eingänge zumauern. Die Kreuzfahrer brachen einen davon wieder auf, öffneten ihn aber nur für die Prozession am Palmsonntag und am Fest der Kreuzerhöhung (14. September). Saladin mauerte das Goldene Tor endgültig zu.

Das bekannteste Teilstück der Mauer, mit der Herodes der Große das Plateau des Tempelberges einfasste, ist die Klagemauer (Westmauer), als letztes Relikt des Tempels heute das größte Heiligtum der Juden. Die Annahme, die Juden kämen hierher, um die Zerstörung ihres Tempels zu beweinen (daher die Bezeichnung "Klagemauer"), beruht auf einer falschen Deutung ihrer oft laut vorgetragenen Gebete. 

Auf der Westmauer des einstigen Tempels, also unmittelbar am Allerheiligsten, ruhte Jahwes Gegenwart auf Erden. Diese Eigenschaft ging durch die Kabbala im 16. Jh., vielleicht aber schon früher, auf die Westmauer des Tempelberges über. Der Bereich der Klagemauer wird aus Sicherheitsgründen streng bewacht. Wie in der Synagoge haben Männer und Frauen getrennte Bereiche. Mit bedecktem Kopf darf jeder an die Mauer treten.

Die fast senkrecht aufragende Klagemauer ist etwa 18 m hoch. Die untersten 11 Steinlagen stammen aus herodianischer Zeit; sie setzen sich mit weiteren 19 Lagen nach unten in das inzwischen zugeschüttete Tyropoiontal fort. Die Steinlagen bestehen aus 1,07 m hohen und unterschiedlich langen Bossenquadern, die so sorgfältig behauen wurden, dass man sie ohne Mörtel vermauern konnte. Ihre unterschiedliche Verwitterung ist auf die Verschiedenheit des Steinmaterials zurückzuführen.

In die Ritzen der Mauer stecken die Juden oft Zettel, denen sie ihre innigsten Wünsche anvertrauen. Der obere Mauerabschnitt mit kleineren und unregelmäßig bearbeiteten Steinen entstand in späterer Zeit, zum Teil erst unter Süleyman dem Prächtigen. Der große, freie Platz vor der Klagemauer war bis 1967 dicht bebaut; erst nach dem Einmarsch der israelischen Truppen wurden die armseligen Häuser abgebrochen.

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