Bibelpoesie

  Gotteswort in verdichteter Menschensprache nachklingen lassen.
 

     

Müht euch nicht ab!

zu Joh 6,27

Müht euch nicht ab...
Oh, wie seid ihr abgemüht und voller Sorge,
für Nahrung, die doch nicht vorhält,
die nur sättigt, indem sie den wirklichen Hunger überdeckt!

"Geliebte", ja, "von Gott Geliebte",
so spreche ich euch an und spreche euch zu,
warum lauft ihr davon vor der Erfüllung?
Was habe ich euch getan, dass ihr meiner Liebe misstraut?

   

 


   

 

Oh, ich weiß, es ist euch eingeimpft.
Mit euren Poren habt ihr die Angst eingesogen,
viele Verletzungen haben euch die Vorsicht gelehrt,
und eure Enge scheint euch vertrauter als meine Weite.

Sagt mir, wie ich euch erreiche,
mit meiner Hingabe, die nicht missbraucht,
mit meinem Annehmen, das niemanden vereinnahmt?
Ist es dir wert, solche Liebe nur einmal zu bedenken?

 

 

Es wird ein weiter Weg,
doch du bist nicht allein, ich ziehe mit
und freu mich über jeden kleinen Schritt von dir.
Hör' es nur: "Du bist unendlich kostbar mir."

Thomas Heck. 2. Aug. 09

 

 


 

     

Unerträglich! - Und er trägt dich!

zu Joh 6,60

„Was er sagt, ist unerträglich.
Wer kann das anhören?“

Ja, wer kann das anhören, Jesus,
dass du dich selbst zu einer Speise machst,
dass die Menschen dich aufessen sollen,
wenn sie wirklich leben wollen?

Wäre es nicht genug, dass du deine Weisheit lehrtest,
und deine Schüler immer mehr verstünden,
worum im Leben es tatsächlich geht?
Dass ein wenig besser bescheid sie wüssten?
 

   

 

 

 
Wäre es nicht genug, dass nach deinen Theorien,
die Menschen immer genauer die Welt einteilten,
in gut und in böse, gottgefällig und gottlos?
Dass sie lernten, richtig zu beurteilen?

Wäre es nicht genug, dass sie deine Lehre weiter trügen,
viele Menschen aus Unwissenheit zur Einsicht führten,
damit sie nicht mehr selbstverschuldet irrten?
Dass sie endlich selbst bemessen könnten?

Ist das wirklich nötig, dass du dich aufzehren lässt,
selbst zerkleinert wirst, gewaltvoll zwischen ihren Zähnen,
weil ihnen deine Wahrheit zu groß, dein Anspruch zu fordernd ist?
Dass sie sich nicht verschlucken an der ganzen Gottzuwendung in dir?
 


Ja, es ist nötig, dass ich mich hingebe und in Stücke reißen lasse,
wie sonst sollte ich die Menschen zu heiler Ganzheit verbinden,
sie sich erkennen lassen als Schwestern und Brüder im großen Einen?
Dass sie sich nicht mehr beißen, die einen die anderen!

Ja, es ist nötig, dass meine Schüler mir darin in Treue folgen,
sich selbst in Nahrung für alle verwandeln zu lassen,
schmackhaft zu werden für eine Welt, die schweren Hunger leidet!
Dass sie in euch kosten, wie sättigend meine Liebe ist!

Was er sagt, ist schwer erträglich.
Gib uns die Kraft, es neu zu hören,
sogar danach zu handeln,
sich von dir getragen wissend, danach zu leben!

Thomas Heck. 22. Aug. 09

 

 

 

 

 

Natanaël

„Ehe dich Philippus rief,
da Du unterm Feigenbaum warst,
da sah ich Dich“ (Joh 1,48)
 

   

 

Unterm Feigenbaum
hast Du mich gesehen
den Nachtfalter
das Pfauenauge,
den Flug versuchend
hinauf in den dunklen Wipfel
der Nacht.

Dein Auge traf meines
das Pfauenauge
das stolze und blinde
Auge der Nacht.

Unterm Feigenbaum
hast Du mich gesehen
den Salamander,
den Zwischenweltler,
der im Wasser lebt und
am Land und auch
im Feuer
Nacht-Licht-gesprenkelt.

In der Morgenfrühe
für einen Augenblick
hieltest Du mich
in Deiner Hand.
 

Auf dem Feigenbaum
hast Du mich gesehen
die neugierige Elster,
hüpfend von Ast zu Ast
bis sie die Frucht erspäht,
die kleine, runde,
die leuchtend rote -
schon den Schnabel gespitzt zum Picken
in die Frucht vom Baum der Erkenntnis:

Da rief mich Deine Stimme,
rief mich heraus in die Weite
des Windes:
„Selig
die Bettler im Geistwind!“

Agnes Kunze. Binsar, Pfingsten 1979

 

   

 

Die Begegnung Jesu mit der Sünderin

zu Lk 7,39-50

Keiner fand mich eines Wortes wert.
Sie benutzten mich und zogen weiter.
Des Geldes wegen lebte ich verkehrt,
war nur selten mehr von Herzen heiter.

Da kam einer und wollte nicht, was ich bot,
er fand Worte, wie sie mir noch niemand gesagt:
Mein Verlangen könnte finden in neues Lot.
Mein Herz wollte Hingabe, wie ich sie noch nie gewagt.

   

 

 


 



 
 

 

 

 

Die erbarmungslose Welt verschwamm mir vor den Augen,
Tropfen für Tropfen zerrann die Angst ums große Glück.
Meinem wahren Freier wollten selbst meine Tränen taugen.
Was die andern genommen, gab er mir heil und ganz zurück.

Was stets zu Liebesdiensten ich verwandt,
vergoss ich zu seinen Füßen und gab alles.
Nur noch zärteln und küssen wollt ich, ohne Verstand,
da er sich doch erbarmt meines hoffnungslosen Falles.

 

Heilsam sei mein Lieben, rettend mein Glauben
- so spricht er -, was der feinen Gesellschaft nicht gefällt.
Niemand wird fortan mehr die Würde mir rauben.
Versöhnung und Frieden fand ich durch ihn - Retter der Welt?

Thomas Heck. 15. Jul. 2007

 

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