Unser Gott ist nicht stumm

Für die Menschen der Antike gab es Götter, wie Jupiter oder Zeus, die jedoch stumm waren, die nicht redeten, die man durch Opfer besänftigen oder versöhnen musste. Unser Gott hingegen hat gesprochen - durch die Propheten, am Ende durch seinen Sohn, durch Jesus Christus (vgl. Hebr 1,1-2). In jede Zeit hinein hat Gott sein Wort gesagt und damit die Menschen angesprochen, nicht nur getröstet und ermahnt. Er hat die Menschen gesammelt, aus der Not gerettet. Er hat durch sein Wort mit den Menschen eine neue, großartige Geschichte angefangen. Diese Geschichte hat ihren Höhepunkt in den Worten und Taten Jesu, in der Person Jesu selbst. Das Johannesevangelium nennt Jesus das Wort Gottes in Person, das fleischgewordene Wort.

Gott redet, teilt sich mit, gibt sich her. Von Anfang an. Der Mensch kann dieses Wort aufnehmen. Es macht ihn neu, stellt ihn in einen neuen Anfang. Es steckt eine Kraft darin, die den Menschen neu geboren sein lässt. Das war nicht nur in der Vergangenheit so, von der uns die Bibel berichtet, sondern es gilt genauso auch für heute.

          Ein Schriftwort für den Monat

Mir persönlich tut es ungemein wohl, das Wort zu leben. Monat für Monat lebe ich ein bestimmtes Wort aus der Heiligen Schrift. Im vergangenen Monat war es das Wort "Dass alle eins seien" (Joh 17, 21). Dieses Wort drängt mich hin zum anderen Menschen, zu seinen Problemen und Nöten. Indem ich dieses Wort mit in den Alltag nehme, merke ich, wie ich nicht nur aufmerksam werde für Menschen, sondern ebenso, wie Gott tiefer in mein Leben kommt, wie er es begleitet und vertieft. Das eine Wort "Dass alle eins sein werden" konnte ich überall hin mitnehmen, in den Gottesdienst, in die Arbeit, in den Straßenverkehr, in jedes Gespräch.

Da kam es zu folgender Begebenheit: Ein junger Ausländer in Bonn wurde mir ans Herz gelegt. "Kannst du dich um einen Perser kümmern, 25 Jahre alt, der noch nicht als Asylbewerber anerkannt ist?" Ein paar Tage später steht er vor mir. Beim Spaziergang höre ich von Teheran, von Demonstrationen, von der drohenden Verhaftung durch die Palastgarden, die das Elternhaus durchsuchen, von der überstürzten Flucht - vom Leben eines Asylbewerbers, dessen Anwalt nichts für ihn tut und dessen Sozialhilfe einfach nicht ausreicht. Die innere Stimme sagt mir, ich müsse diesem jungen Mann auch finanziell helfen.

Ich bitte in Gemeinden und bei Bekannten um Unterstützung. Eine Gemeinde, der ich das Problem im Gottesdienst erkläre, reagiert unmittelbar. Acht Personen, darunter zwei junge Mädchen, kommen in die Sakristei und geben mir die notwendige Summe in die Hand. Eine Frau bringt bei der Beichte ihr Sparschwein mit.

          Wie ist das zu erklären?

Ich wollte das Wort Gottes leben. Das Wort Gottes riet mir, jemandem zu helfen. Und was erlebe ich? Das Wort Gottes wirkt und zieht Kreise.

Besonders beglückend waren die Gespräche mit meinem Freund. Er war Moslem, hatte aber seinen Glauben an Gott verloren. Trotzdem fragte er immer wieder nach Gott. Ich konnte ihm helfen, die Liebe Gottes neu zu entdecken. Er fing an, sich mit dem Evangelium zu beschäftigen. Wir überlegten dann, wie er einen neuen Anwalt findet, um das Asylverfahren neu aufzurollen. Ich spürte seine Angst über den Ausgang des Verfahrens. Wir beschlossen, das neue Verfahren in Gottes Hand zu legen. Der himmlische Vater würde in jedem Fall ein Land wissen, in dem er leben könne. Aus dem Vaterunser wurde uns eine Bitte wichtig: Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Dieses Wort gab dem jungen Mann Ruhe und Zuversicht - aber auch die Kraft, die Verhandlung in Dortmund vor der Behörde durchzustehen. Er wurde als Asylbewerber anerkannt. Und was mich dann freute: Das erste Geld, das er nach seiner Anerkennung selbst verdiente, brachte er mir, damit ich es anderen Armen weitergeben könne.

         Dem Wort wohnt eine Kraft inne

Das Wort leben - es verändert den Menschen, es verändert mich, es öffnet mich. Es legt falsche Angst offen und verwandelt uns. Wenn das Wort in uns lebt, verwandelt es auch andere. Das Wort lässt wirklich Christus unter uns wachsen. Das Wort erweist sich als Quelle.

Nehmen Sie das Wort mit in den Alltag. Lassen Sie es ein in Ihr Leben. Lassen Sie es Fleisch in Ihnen werden. Ein einziges Wort reicht aus, um Sie Jesus ähnlich werden zu lassen, um ein anderer Jesus zu werden. Unsere Aufgabe besteht darin, das Wort täglich zu leben, im gegenwärtigen Augenblick.

Wir können es alle leben, gleich welchen Beruf wir haben, gleich welchen Alters wir sind, gleich in welcher Situation wir uns befinden. Mit dieser einfachen Methode gleichen wir uns, und mit uns die Welt unseres Alltags, dem Evangelium an.     nach Wilfried Hagemann

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Wort Gottes - verkündet durch die Kirche

Der Ausspruch: "Jesus - ja! Kirche - nein!" ist ja ziemlich bekannt geworden. Offensichtlich ist den Menschen, die diese Ansicht vertreten, aber nicht bewusst, dass sie sich auf Jesus nicht berufen und ihn gar nicht "kennen" können ohne die Kirche, in der das Gedächtnis an ihn über die Jahrhunderte hin weitergetragen und lebendig gehalten wurde.

Durch die Kirche, die Apostel und ihre Nachfolger, verkündet Jesus Christus seine Botschaft von Gott, unserem Vater, und seinem Reich. Er verkündet diese Botschaft damals wie heute aber nicht nur mündlich. Die Kirche hat uns das Wort des Herrn auch schriftlich überliefert. Das Neue Testament gibt es nur als Buch der Kirche. In ihm schenkt uns die Kirche das, was sie selbst vom Herrn als "Samen" (Lk 8,11) empfangen hat: sein Wort, Leben in Überfülle, unerschöpflich, machtvoll strömend! 

Über die Jahrtausende hin trifft das Wort immer wieder solche, die aufbrechen und dem Ruf des Herrn zum Dienst am Evangelium unmittelbar folgen. Über die Jahrtausende hin weckt es immer wieder in Menschen Sehnsucht, Glaube, Hoffnung und Freude am dreifaltigen Gott, Lebenssinn über den Tod hinaus. Keine Macht der Welt kann seinen Lauf zunichte machen. Dieses Wort bricht sich immer wieder Bahn in den Herzen von schlichten, einfachen Gläubigen; es wird gelebt von Demütigen und Liebenden. Es stiftet immer wieder Frieden, macht immer wieder neue Anfänge möglich, bewirkt Vergebung, heilt Wunden, tröstet als das Evangelium von unserer Rettung, von unserer Seligkeit (Eph 1,13)! 

Immer wieder ist es aber auch schwertgleiches Wort, das in die Entscheidung stellt, ja richtet, Wort, das zur Buße ruft, Wort, um dessentwillen Christen leiden, Verfolgung erdulden, getötet werden - heute wie in den Tagen der Apostel. 

So empfangen wir denn nach dem Willen des Herrn durch die Kirche, in ihr und als Kirche das Wort des Lebens. Es ist ein Quell der Freude, und wir tun gut daran, dafür zu danken, aber auch - wie uns Petrus mahnt - das Wort der Schrift nicht zu missbrauchen nach eigener beliebiger Deutung (vgl. 2Petr 1,20). Wir tun gut daran, auf dieses Wort zu achten "wie auf eine Leuchte, die aufstrahlt an dunkler Stätte, bis der Tag anbricht" (2Petr 1,19). Gemeint ist der Tag der vollendeten Offenbarung Christi und seiner Kirche, jener Tag, an dem sie endlich die ganz schöne, makellose Braut des Lammes sein wird (vgl. Offb 21).    nach Barbara Albrecht

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Mit der Gnade sieht man weiter

Denke ja keiner unter den Lesern, 
ihm nütze
Lesung ohne Salbung,
Spekulation ohne Bewunderung,
intellektuelle Orientierung ohne Begeisterung,
Fleiß ohne Frömmigkeit,
Wissenschaft ohne Liebe,
Einsicht ohne Demut,
Studium ohne göttliche Gnade,
Sehkraft ohne gottgeschenktes Licht.    Hl. Bonaventura

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Lies im Evangelium !

Lies jeden Tag ein Kapitel aus dem Evangelium; wenn die Angst in dir aufsteigt, dann lies weiter, bis sie dich verlässt; und wenn sie wiederkehrt, lies noch einmal im Evangelium.    Starez von Optina

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Widerspenstigkeit und Freude über Gottes Wort

Irgendwo in der Wüste, bei einem Brunnen, bat Jesus eines Tages eine Frau um etwas Wasser, aber jene Sünderin war schnippisch und behandelte ihn, als sei er irgendein Jude. Und er sprach: "Wenn du wüsstest, welche Gabe ich bin, Frau, würdest du mich um Wasser bitten, und ich würde dir nicht irgendein Wasser geben, sondern das Wasser, das den Durst in uns für immer löscht ..." Und die Worte des Lebens wurden von der Sünderin aufgenommen wie Wasser von der ausgedörrten Erde, das die Sünden in ihrem Inneren geschaffen hatten ... Schließlich ließ sie den Krug und die Sünden am Brunnen stehen, lief in den Ort und rief voll Freude: "Kommt, Freunde, ich habe eine Quelle der Liebe gefunden!"    Anthony de Mello

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Drei Fragen

Bist du bereit, meinen Worten als Worten, die von Gott kommen, Glauben zu schenken?

Bist du bereit, meine Sendung anzuerkennen als eine Sendung, die vom Vater im Himmel stammt?

Bist du bereit, mir im Tiefsten zu vertrauen wie Petrus, der sagt: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“? (Matthäus 16,16)    Carlo M. Martini

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Schüler der Heiligen Schrift

Wer die Bibel nur obenhin liest und nicht immerfort und tiefer nachdenkt, der wird ihrer überdrüssig und lässt sie fahren, als verstehe er sie bis zum letzten Grund und findet nichts darin. Oder er wird ein Ketzer, der wie eine Spinne aus der schönen, lieblichen Rose Gift saugt, da doch das Bienlein eitel süßen Honig daraus saugt. Man muss suchen, spricht der Herr, nicht richten, nicht Meister, sondern Schüler sein; nicht unser Dunkel hineintragen, sondern Christi Zeugnis darin holen. Und solange Christus nicht gefunden wird, solange wird sie [die tiefe Bedeutung der Bibel] auch nicht recht gesucht.    Martin Luther

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Evangelium der Liebe als soziale Weisung

Für den, der glaubt, gibt das Evangelium eine schwere, aber klare Antwort auf die Frage nach dem tiefsten Sinn des Lebens und was es bedeutet, Mensch zu sein und Mitmensch zu sein. Eine klare Antwort auf die Frage: Wie können so viele Menschen miteinander leben? Wie können Kriege, Feindschaften, Gewalt ein Ende finden? 

Dieses Evangelium der Liebe ist noch immer das Evangelium der Torheit, weil es um eine Liebe geht, die schwer ist, die vom Kreuz gezeichnet ist. Wer diese Liebe gewählt hat, gibt seine eigene Macht auf, nimmt den letzten Platz ein und stellt sich in den Dienst von allen.    Phil Bosmans

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Volksbibel

Wir Christen sind die einzige Bibel, die heute noch von einer breiten Bevölkerungsschicht gelesen wird – aber ich fürchte, wir sind die schlechteste Übersetzung.   Hans-Joachim Eckstein

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Hört auf Gott im Schweigen

Wir müssen von Anfang an lernen,  auf die Stimme Gottes  in unserem Herzen zu hören.  Denn in der Stille des Herzens  spricht Gott.  Wovon unser Herz voll ist,  davon müssen wir dann sprechen ...  Wenn euer Herz voll ist von Gott,  von Liebe, von Mitgefühl und Glaube,  wird euer Mund davon sprechen ...  Hört auf Gott im Schweigen,  denn wenn euer Herz  von anderen Dingen voll ist, könnt ihr nicht die Stimme Gottes hören. Wenn ihr aber in der Stille des Herzens  auf die Stimme Gottes gehört habt,  ist euer Herz voll von Gott,  wie Maria voll der Gnade war.    Sel. Mutter Teresa von Kalkutta

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Das Wort Gottes sucht Wohnung in dir

Ich berge Deinen Spruch in meinem Herzen, damit ich mich nicht gegen Dich verfehle. (Ps 119,11 – Lk 8,4-15)

Wenn Gottes Wort zu uns kommt, will es in fruchtbarem Acker geborgen sein. Es will nicht am Wege liegen bleiben, dass der „Teufel kommt und das Wort von ihren Herzen nimmt, damit sie nicht glauben und selig werden“. Es will nicht auf Felsen fallen, wo es keine Wurzeln schlagen kann, wo sie zwar „das Wort mit Freuden annehmen, wenn sie es hören; eine Zeitlang glauben sie, und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab“. Es will nicht unter die Dornen fallen, wo es „unter Sorgen, Reichtum und Wollust dieses Lebens erstickt wird und keine Frucht bringt“. 

Es ist ein großes Wunder, dass das ewige Wort des allmächtigen Gottes in mir Wohnung sucht, in mir geborgen sein will wie das Samenkorn im Acker. Geborgen ist Gottes Spruch nicht in meinem Verstand, sondern in meinem Herzen. Nicht zuletzt zerdacht sein, sondern im Herzen bewegt werden, … das ist das Ziel des Spruches, der aus Gottes Mund kommt. Darum ist es niemals damit getan, Gottes Wort gelesen zu haben; es muss tief in uns eingegangen sein, in uns wohnen, wie das Allerheiligste im Heiligtum, damit wir nicht fehlgehen in Gedanken, Worten und Werken. Es ist oft besser, weniger und langsam in der Schrift zu lesen und zu warten, bis es in uns eingedrungen ist, als von Gottes Wort zu viel zu wissen, aber es nicht in sich zu „bergen“.     Dietrich Bonhoeffer

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Die Bibel lesen im Gebet

In den Ereignissen, von denen die Bibel spricht, sind Wirklichkeiten enthalten, die sich im Leben jedes einzelnen Menschen wiederfinden. Entsprechend seiner inneren Öffnung oder auch seiner Vertrautheit mit dem Gebet kann ein jeder im Wort der Schrift das finden, was er für sein Leben braucht. Die entscheidende Frage, die sich jeder stellen sollte, scheint mir zu sein: Was bedeutet dieser Bibeltext für mich, was sagt er mir, welche Beziehung hat er zu meinem Leben?

Mancher könnte zunächst sagen: "Nein, er hat nichts mit meinem Leben zu tun." Aber bei solch einem ersten Eindruck sollte man nicht stehen bleiben, sondern sich fragen: Woran liegt das? Warum gibt es keine Beziehung zwischen diesem Bibelwort und meinem Leben? Wie würde ich mir diese Beziehung wünschen? Und so finde ich durch diese ersten negativen Eindrücke hindurch einen Kontakt zwischen dem, was in der Bibel gesagt wird, und dem, was ich lebe. Dieser Kontakt stellt sich oft nicht unmittelbar ein, sondern erst, wenn ich in einen Dialog, in ein Ringen mit dem biblischen Wort eintrete. Dann erst beginnt seine Tiefe zu leuchten.

Wahres Beten ist keine Spielerei. Gebet ist ein Ringen, ein Kampf, wie die Schrift lehrt. Es konfrontiert den Menschen mit seinen größten Schwierigkeiten. Im Gebet wird der Mensch geübt, die Probleme seines Lebens offen anzuschauen und sie anzunehmen. Denn der Mensch hat oft Angst, sich selbst gegenüber zu treten. Wahres Gebet ist Ehrlichkeit gegenüber den schwersten Problemen des Lebens.    Carlo M. Martini

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