Darlegung einzelner Methoden

A. Bibel-Teilen

1. Sieben-Schritte-Methode nach Lumko (Weitere Erläuterungen)

1. Einladen

- Wir laden den Herrn zu uns ein und begrüßen ihn in unserer Mitte. Wer möchte das in einem Gebet tun?

2. Lesen

- Wir schlagen in der Heiligen Schrift auf; das Buch, das Evangelium, den Brief: .......... , Kapitel: ....... Warten, bis alle aufgeschlagen haben!

- Wer möchte die Verse: ....... bis: ....... vorlesen?

3. Verweilen

- Wir suchen Worte oder kurze Sätze aus dem Text heraus und lesen sie mehrmals laut und besinnlich. Dazwischen legen wir kurze Besinnungspausen ein.

- (Danach:) Wer möchte den Text noch einmal im Zusammenhang vorlesen?

4. Schweigen

- Nun werden wir für: ..... Minuten ganz still und lassen in der Stille Gott zu uns sprechen.

5. Austauschen

- Wir tauschen uns darüber aus, was uns im Herzen berührt hat. Welches Wort hat uns persönlich angesprochen?

- (Danach gegebenenfalls: Ist uns in diesem Text ein Wort begegnet, das uns in den kommenden Wochen als "Wort des Lebens" begleiten könnte?)

6. Handeln

- Wir besprechen eine Aufgabe, die sich unserer Gruppe jetzt stellt. Dabei fragen wir:

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Wie weit sind wir mit unserer früheren Aufgabe?

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Welche neue Aufgabe stellt sich uns?

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WER hat WAS und WANN zu tun?

(Und gegebenenfalls: Welche Erfahrungen haben wir in den vergangenen Wochen mit unserem "Wort des Lebens" gemacht?)

7. Beten

- Wir beten miteinander. Alle sind eingeladen, ein freies Gebet zu sprechen.

- (Danach:) Wir schließen mit einem Gebet oder Lied, das alle auswendig kennen.

 

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2. Gottes Wort als Lebens-Spiegel

1. Einladen

- Wir wollen heute die Heilige Schrift gleichsam als Spiegel benützen, in dem sich das Leben und die Probleme unserer Pfarrei (unseres Dorfes, unserer Stadt, unseres Landes) widerspiegeln.
Wir laden dazu den Herrn ein, bei uns zu sein. Wer möchte das in einem Gebet tun?

2. Lesen

- Wir lesen zweimal den Text ........... .

- Wir suchen Worte oder kurze Sätze aus dem Text heraus und lesen sie mehrmals laut und besinnlich. Dazwischen legen wir kurze Besinnungspausen ein.

3. Sehen

- Wir sprechen fünf Minuten lang in Zweier-Gruppen, jeder mit seinem Nachbarn:
An welche Probleme unserer Gemeinschaft erinnert uns der Text? Welche Probleme unserer Pfarrgemeinde (unseres Dorfes, unserer Stadt, unseres Landes) haben Ähnlichkeit mit den Problemen im Text?

- Nach fünf Minuten teilt jede Gruppe mit, welche heutigen Probleme sich für sie im Text widerspiegeln.

- Wir wählen gemeinsam ein Problem für das weitere Gespräch aus.

4. Hören

- Wir werden für ... Minuten ganz still und fragen: Was sagt uns Gott zu unserem Problem? Was sagt er uns in diesem Text?

- Danach tauschen wir uns aus, was uns Gott - unserer Ansicht nach - zu diesem Problem rät.

5. Handeln

- Wir fragen: Welches Handeln erwartet Gott von uns? WER soll WAS und WANN tun?

6. Beten

- Wir beten miteinander. Alle sind eingeladen, ein freies Gebet zu sprechen.

- Wir schließen mit einem Gebet oder Lied, das alle auswendig kennen.

 

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3. Gottes Wort zu unseren Erfahrungen

1. Einladen

- Wir wollen heute Erfahrungen aus unserem Leben mit Gottes Wort in Verbindung bringen.
Wir laden dazu den Herrn in unsere Mitte ein. Wer möchte das in einem Gebet tun?

2. Sehen

- Wir bitten einige aus der Gruppe über ein Ereignis zu berichten, an dem sie in letzter Zeit selbst beteiligt waren und das sie persönlich stark bewegt hat. Es kann sich dabei um ein Ereignis am Arbeitsplatz, im öffentlichen Leben, in der Nachbarschaft oder daheim handeln.

- Wir wollen eine dieser Erfahrungen herausgreifen. Wir fragen:

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Was ist genau geschehen? Sind uns alle Tatsachen bekannt? Können wir mehr darüber erfahren?

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Warum ist das geschehen? Suchen wir Gründe.

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Wie fühlen Sie sich, wenn Sie an dieses Ereignis denken?

3. Hören

- Wie denkt Gott wohl über dieses Ereignis?
Wir wollen . .. Minuten still werden und auf Gott hören. Wir wollen alles beiseite schieben, was wir selbst über dieses Ereignis denken oder empfinden. Wir wollen vielmehr in Stille auf Gott hören, was ER darüber denkt oder empfindet. Wir versuchen, unser Problem mit den Augen Gottes zu betrachten, ohne dabei vorschnell nach einem Bibelvers als "Antwort" auf unser Problem zu suchen. Wichtig ist, dass wir es zunächst im Geist des gesamten Evangeliums betrachten. 

- Bitte teilen wir uns jetzt gegenseitig mit, was Gott unserer Ansicht nach über unser Problem denkt. Vielleicht fallen uns dabei bedeutsame Worte und Ereignisse aus der Bibel ein, die wir vorlesen oder aus dem Gedächtnis zitieren können. (Wenn niemand ein entsprechender Text einfällt, kann man einen allgemein passenden Abschnitt zum Beispiel aus den Psalmen lesen. )

4. Handeln

- Was sollen wir nach Gottes Willen tun? Was will er von uns als Gemeinschaft? WER tut WAS und WANN?

5. Beten

- Wir beten miteinander. Alle sind eingeladen, ein freies Gebet zu sprechen.

- Wir schließen mit einem Gebet oder Lied, das alle auswendig kennen.

4. Gottes Wort zu sozialen Problemen

In der "Runde der Verantwortlichen" bereiten die Leiter von Gruppen und Kleinen Christlichen Gemeinschaften die Versammlungen ihrer Gruppen vor. Sie wählen ein Problem aus, das alle betrifft, suchen dazu ein geeignetes Schriftwort und bereiten Fragen vor, die helfen, die Lebenssituation und das Schriftwort besser zu verstehen. Das Gruppengespräch beginnt und endet in der gewohnten Weise mit einem Gebet (siehe die anderen Bibel-Teilen-Methoden).

1. Lebens-Situation

Wir befassen uns heute mit dem Problem ......................... . Leitfragen zur Erörterung des Problems:

- Wer kennt nähere Einzelheiten und Fakten zu unserem Problem ?

- Wie denken die Leute über dieses Problem?

- Warum haben wir ein solches Problem? Aber ..........?

- Wer leidet unter dieser Situation, und wer gewinnt dabei?

- Weitere Fragen, die unser Problem unter verschiedenen Gesichtspunkten beleuchten:...............................

2. Gottes Wort

Folgender Bibeltext spiegelt unser Problem wider: ............

Leitfragen zum Gespräch über den Bibeltext:

- Bei welchem Wort oder Satz haben Sie gedacht: "Das ist richtig; ich freue mich, das zu hören"?

- Bei welchen Satz haben Sie gedacht: "Das habe ich nicht erwartet"? Sagen Sie uns, warum Sie anderer Ansicht waren/sind.

- Was sagt die "öffentliche Meinung" zu unserem Problem?

- Was hören wir im Radio oder sehen wir im Fernsehen über unser Problem?

- Was glauben Sie, ist Gottes Sicht unseres Problems?

- Weitere Fragen, die helfen können, unser Problem mit der Botschaft der Bibel zu verbinden :..............................

3. Unsere Aufgabe

- Welche Aufgabe stellt uns Gott?

- Was sollen wir tun? WER tut WAS und WANN?

5. Koreanische Methode des Bibel-Teilens

Diese Methode wird auf Koreanisch "Gong-Chaek" genannt; das bedeutet "leeres Buch" oder (lat.) tabula rasa. Damit soll die Offenheit gegenüber dem Heiligen Geist und allen Menschen angedeutet werden, die hiermit eingeübt wird. Man kann auch an Matthäus Kapitel 5 Vers 3 und 8 denken: "Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich... Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen." 

Es geht diesem Modell vor allem um eine neue Aufmerksamkeit beim Zuhören. Gong-Chaek eignet sich besonders gut zum Abwechseln mit den oben angeführten Methoden.

Die Methode Gong-Chaek wurde der VI. Vollversammlung der Katholischen Bibelföderation vorgestellt von Sr. Maura Cho.

 

Wenn die Gruppenmitglieder sich zusammengefunden haben, kommen sie zur Ruhe, verharren eine Weile im Schweigen. 

In der GESAMTGRUPPE

1. Begrüßung: Ein formelhafter Spruch wird vom Leiter/in begonnen und von allen weitergeführt. Z.B. Leiter/in: "Gepriesen sei der Herr" - Alle: "von nun an bis in Ewigkeit". 

2. Eröffnungsgebet: Spontanes Gebet des Leiters / der Leiterin 

3. Lesen des Textes: Der ausgewählte Abschnitt aus der Hl. Schrift wird reihum laut vorgelesen; jede/r liest einen Vers; jede/r leiht ihre / seine Stimme dem geschriebenen Text, um ihn hörbar zu einem lebendigen Wort werden zu lassen.

4. Aufteilung in Zweiergruppen: Der/die Leiter/in lädt die Gruppe ein, sich zu jeweils zwei Partnern zu gruppieren und gibt eine Zeit an, wann sich wieder alle in der Gesamtgruppe treffen (je nach Text ca. 10 bis 15 Min.). Bei ungerader Teilnehmerzahl wird eine Dreiergruppe gebildet.

 

In den ZWEIERGRUPPEN

1. Begrüßung: Dialogische Begrüßung der beiden Teilnehmer mit demselben Spruch wie oben. 

2. Besinnung: Acht geben und inne werden: Atem und Text, Geist und Wort. Tief, ruhig, meditativ atmen, einstimmen auf den Geist, der in mir atmet.
- Still den Text noch einmal lesen.
- Sich selbst berühren lassen von einem Wort, Symbol, Begriff, es annehmen als Brot für diesen Tag (vgl. Ex 16,14), das mir zukommt wie der Tau und der Regen... 

3. Hören: Im Hören auf den Partner auf das Wort hören. 
- Mit dem Partner mein "Wort für den Tag" teilen. 
- Eine/r teilt mit, der / die andere hört zu, ohne sich auf ein Gespräch einzulassen… Zuhören mit einem offenen Herzen, ohne ein Urteil zu fällen; Respektieren, wie das Wort den / die andere/n auf einzigartige Weise trifft.

4. Rückkehr in die Gesamtgruppe: Wir treffen uns wieder in der Gesamtgruppe - entweder lädt der /die Leiter/in zur abgemachten Zeit dazu ein - oder die Zweiergruppen schweigen, wenn sie fertig sind; wenn alle still geworden sind, kommen sie wieder zusammen.

 

In der GESAMTGRUPPE

1. Begrüßung (wie beim ersten Mal).

2. Lesen des Textes 
- Alle lesen gleichzeitig den Text laut - auch wenn es sich um verschiedene Übersetzungen oder gar um verschiedene Sprachen handelt.
- Nun atmen alle dreimal tief durch. An eine Person denken, für die dieser Schrifttext eine gute Nachricht oder ein Wort der Ermutigung werden könnte. 

3. Austausch: Der Gruppe das Wort für den Tag von dem / der anderen mitteilen.
- Darauf achten, nicht die eigenen Gedanken mitzuteilen, sondern das von der anderen Person Mitgeteilte weitersagen.

4. Gebet: Abschließendes Gebet.
- Jede/r formuliert ein kurzes Gebet des Dankes, der Bitte, der Fürbitte… 
- Gemeinsames "Vater unser".

 

Erläuterungen zur 7-Schritte-Methode

Persönliche Notizen aus einem Seminar mit Bischof Dr. Lobinger: "Bibel-Teilen und Gemeindeaufbau" am 6. Mai 2002 in Aachen

-   Die Anleitung der sieben Schritte soll auf ganz einfache Art vor sich gehen. Am besten, Schritt für Schritt einfach vorlesen, auch wenn ich es mit "besseren" Worten formulieren könnte. Jeder Teilnehmer sollte eine Kopie der 7 Schritte in seiner Bibel haben.  Jeder soll spüren, dass er es selber auch kann. So einfach wie möglich. "Leiter" soll jeder sein können.

-   Im Grunde gibt es keinen Vorsitzenden oder "Leiter". Jeder soll sich fähig und eingeladen fühlen, das Teilen zu leiten. Wenn die Gruppe in den verschiedenen Häusern wandert, kann jeweils der Gastgeber das Treffen leiten.

-   Das Teilen fällt leichter, da wo man arm ist. Das gilt auch für das Bibel-Teilen.

-   Befragung der Teilnehmer am Bibel-Teilen über ihre Motive: - die Bibel kennen lernen, - näher zu Gott kommen, - der Glaube wird unsere eigene Sache, - es ist Evangelisierung, - es verbindet uns ("es gibt keinen besseren Leim"), - wir teilen unseren Glauben mit anderen, - wir verbinden die Bibel mit dem Leben.

-   Wie kommt das Wort Gottes zu uns? Ein gesundes Gleichgewicht ist anzustreben zwischen: - Vorlesung, Studium, - Persönliches Bibellesen, - Predigt in der Kirche, - Geistliche Bewegungen, - Exerzitien, - Bibel-Teilen.

-   Bibel-Teilen ist Evangelisierung (Reaktionen): - das Wort packt mich, - ich dachte niemals, dass mein Nachbar solche Ideen hätte und solches empfinden könnte, - es verändert uns, - das erste Mal überhaupt, dass ich über meinen Glauben sprach, - da müssen wir etwas tun (Situationen verändern).

-   Afrikanisches Modell von KCG: Bibel-Teilen findet in den Privathäusern der Gläubigen reihum statt. Sonntagsgottesdienst in der zentralen Kirche. Dagegen Lateinamerikanisches Modell: Sonntagsgottesdienst in den Basisgemeinden.

-   Tätigkeiten und Aufgaben, die die KCG übernehmen: Nachbarschaftshilfe, kirchliche Aufgaben (Liturgie, Katechese, Besuche...)

-   Die KCG dürfen keine isolierten Bibelgruppen sein; Verbindungen müssen hergestellt werden! Vernetzung mit der Pfarrei: Für den Pfarrgemeinderat werden je zwei Delegierte aus jeder KCG gewählt. Z. B. können Vertreter aus einer KCG im Sonntagsgottesdienst nach der Lesung ein Glaubenszeugnis geben über das in der KCG stattgefundene Bibel-Teilen. Eine Besuchergruppe von der Pfarrei kann nacheinander jede KCG besuchen. Bibel-Teilen und Aufgaben-Teilen sind zwei Seiten einer Medaille!

-   Widerstände gegenüber dem Bibel-Teilen bei Pfarrern (versch. Aussagen): - Vereine machen das auch, was KCG machen, und sie machen es natürlicher. - Wir brauchen genaue Exegese. - Ich konzentriere mich lieber auf die Wesenselemente des Glaubens. - Das mag anderswo funktionieren, aber nicht hier. - Das zerstückelt die Pfarrei (, weil ich nicht mehr so viel Macht habe).

-   Widerstände gegenüber dem Bibel-Teilen bei Laien (versch. Aussagen): - Das ist zu fordernd. - Das ist für Frauen. - Glaube ist meine Privatsache.

-   Gründe für die KCG trotz der Widerstände: Es geschieht Evangelisierung. Alle sind aktive Teilnehmer. Wir erfahren Gemeinschaft. Erster Kontakt für die, die auf der Suche nach Glauben sind. Eine andere Erfahrung von Kirche. Die synodale Struktur der Kirche.

-   Es ist wichtig, ab und zu konkrete Probleme direkt anzusprechen und dafür eine andere Bibel-Teilen-Methode anzuwenden. Mit einer konkreten Geschichte anfangen und eine geeignete Bibelstelle suchen.

-   Eigentlich gehört das Bibel-Teilen zu einer neuen Vision von Kirche. Die Gläubigen in der deutschen Kirche haben sich aus diesem Gebäude einen Baustein herausgepickt und das Bibel-Teilen von seinem Horizont isoliert. Ob das dann funktionieren kann?

-   Die große Priesternot in Südafrika hat uns zu dieser Kirchenstruktur und zu dieser Art, die Bibel gemeinsam zu lesen, geführt.

-   Bibelkurse, exegetische Vorträge sollen in anderem Rahmen stattfinden als das Bibel-Teilen; als offenes Angebot für alle Interessierten der Gemeinde. Es können aber auch ab und zu Hintergründe während der normalen Treffen dargelegt werden.

-   Um Menschen für das Bibel-Teilen zu interessieren, sind zeitlich begrenzte und überschaubare Projekte oder Workshops geeignet. Dadurch kann eine erste Erfahrung ermöglicht werden, ohne dass sich der Teilnehmer gleich zu etwas verpflichtet fühlt.

 

  Siehe auch die Seite zu: Lumko-Pastoralinstitut !

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