Charakter verschiedener Übersetzungen

Chronologische Ordnung nach Entstehungszeit

 

Lutherbibel (evangelisch-lutherisch)

Ursprung: 1522-45 Martin Luther, 1912 2. offizielle Revision,1984 4. Revision.

Übersetzung: Gute Übersetzung. In den Revisionen: Aktualisierung der Sprache und Einarbeitung textkritischer, exegetischer Erkenntnisse unter Wahrung des Stils Luthers.

Kommentar: Offizieller Text für evangelischen Gottesdienst und Unterricht; teilweise sehr sprachgewaltig (vor allem die Psalmen), teilweise etwas schwierig. Haupttext klassischer religiöser Musik.

Zürcher Bibel (evangelisch-reformiert)

Ursprung: 1531 in schweizerdeutsch / alemannisch; seit 1665 in hochdeutsch.

Übersetzung: Sehr genaue Übersetzung. Häufige Revisionen zu besserer Grundtextnähe.

Kommentar: Sprachlich schwieriger als Luther, teils veraltetes Vokabular. Erläuterungen zu einzelnen Versen in eckigen Klammern. Gute Anhänge.

Elberfelder Bibel (evangelisch-pietistisch)

Ursprung: 1871 Nelson Darby, 1975 NT überarbeitet, 1993 revidiert.

Übersetzung: Devise: „In jedem Bibelwort spricht Gott selbst“, daher möglichst textgetreu übersetzt. Die Revisionen haben keine großen Änderungen gebracht.

Kommentar: Hilfreiche Übersetzung bei unklaren Stellen.

Jörg Zink NT (evangelisch)

Ursprung: 1965 Jörg Zink, 71972.

Übersetzung: Keine streng wörtliche Übersetzung, sondern eine „Übertragung, die den alten Text mit freien Wendungen aufschließen will.“ In den Neuauflagen: Überarbeitung kritisierter Stellen, bessere Grundtexttreue.

Kommentar: Subjektive Übersetzung. Evangelien sind freier übersetzt als der Rest. Übersetzung wiederkehrender Worte wird unnötig variiert. Teils aufgeplusterte Sätze, teils Vermeidung biblischer Begriffe.

Gute Nachricht (ökumenisch)

Ursprung: NT 68. 3. Auflage von 1971 grundtexttreuer. Komplette Bibel in heutigem Deutsch 1982. Völlige Neubearbeitung 1997. Durchgesehen und nach neuer Rechtschreibung 2000.

Übersetzung: Versucht, den Sinn der Texte zeitgemäß und in moderner Sprache zu vermitteln. Stetiges Bemühen um genauere und treffendere Wiedergabe.

Kommentar: Ursprüngliche Übersetzung teils grundtextuntreu, nivellierend oder auch humanisierend. Einleitungen und Erklärungen von „Gute Nachricht erklärt“ sehr gut.

Jerusalemer Bibel (katholisch; Kommentar der Bibelschule von Jerusalem)

Ursprung: Entstand unter der Leitung des biblischen Studienzentrums der französischen Dominikaner in Jerusalem ("Ecole Biblique"). 1968 mit überarbeitetem Text aus Herders Bibelkommentar. Seit 1985 als "Neue Jerusalemer Bibel" mit dem Text der "Einheitsübersetzung" (siehe dort).

Übersetzung: Sorgfältige, verständliche Übersetzung.

Kommentar: Manchmal aktuellere Sprache wünschenswert. Hilfreich zum Selbststudium: zu vielen Versen im Seitenfuß ausführliche Erklärungen, gute Erläuterungen, Parallelstellen.

Einheitsübersetzung (katholisch / Psalmen u. NT ökumenisch)

Ursprung: 1962-1978 erarbeitet von katholischen Fachleuten der Bibelwissenschaft, der deutschen Sprache, der Katechetik und Liturgik im Auftrag der katholischen Bischöfe des deutschen Sprachgebiets unter Mitarbeit von evangelischen Bibelwissenschaftlern.

Übersetzung: Gut verständlich, als „Gebrauchstext“ angelegt, genau am Grundtext orientiert.

Kommentar: Klar und verständlich in gepflegtem Deutsch. Wirkt jedoch manchmal etwas glanzlos. Offizieller Text für katholische Gottesdienste und Unterricht.

Münchner NT (katholisch)

Ursprung: 1988 Collegium Biblicum München e. V. Das C. B. M. wurde 1966 durch den bedeutenden katholischen Exegeten Otto Kuss mit der Hilfe von Schülern gegründet. Es widmet sich vor allem der exegetischen und sprachlichen Arbeit am Neuen Testament.

Übersetzung: Devise: „So griechisch wie möglich, so deutsch wie nötig“. Beibehaltung griechischer Wortstellung, Partizipien.

Kommentar: Studienübersetzung ! Eine normale Bibellektüre ist kaum möglich. Übersetzungsbedingte Hinzufügungen in Klammern.

Hoffnung für alle (evangelisch)

Ursprung: 1996 Brunnen Verlag Basel und Gießen.

Übersetzung: Wiedergabe des Sinnes der Grundtexte in verständlichem Deutsch.

Kommentar: Flüssige Sprache, aber interpretierend. Bei freien Neuformulierungen erscheint die wörtliche Übersetzung in einer Fußnote.

 

Mein Tipp

Unter den aufgelisteten Übersetzungen gibt es weder eine vollkommene, noch eine missratene. Zum „normalen Gebrauch“ sind die Einheitsübersetzung oder die Lutherbibel sicher die richtige Wahl. Wer tiefer in Texte eindringen will, der sollte mindestens eine grundtexttreue Übersetzung kombiniert mit einer modernen Übersetzung besitzen. Also etwa die „Jerusalemer Bibel“ mit dem Text aus dem Herder-Kommentar* zusammen mit einer Neuauflage von „Gute Nachricht“. Oder die „Einheitsübersetzung“ zusammen mit „Hoffnung für alle“. Die modernen Übersetzungen können in ihren Neuformulierungen manchmal ganz gute Pisten geben für das Verständnis einer Stelle; jedoch sollten sie immer parallel mit einer Übersetzung gelesen werden, die nahe am Urtext bleibt.

* Die "Neue Jerusalemer Bibel" enthält als Bibeltext die Einheitsübersetzung.

 

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