Die Welt zur Zeit Jesu               Frau beim Getreidemahlen

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Brot und Mahlzeit

Zubereitung

Das tägliche Mahl zu bereiten, war Aufgabe der Frauen. Ein wichtiger Bestandteil der Mahlzeiten war das Brot, das in der Regel jeden Tag frisch gebacken wurde („Unser tägliches Brot gib uns heute“). Schon früh am Morgen setzte sich die Hausfrau an die Handmühle, die aus einem feststehenden Unterstein und einem drehbaren Oberstein (von ca. 40 cm Durchmesser) bestand. Der Oberstein hatte in der Mitte eine Öffnung, in die das Getreide geschüttet wurde. An seinem Rand war ein Griff angebracht, mit dem er gedreht werden konnte. Das Mehl, das aus den zerriebenen Körnern entstand, wurde auf einem Tuch aufgefangen, in einem Sieb gereinigt und in einer flachen Holzschüssel gesammelt.

Das Mehl wurde dann mit Wasser und etwas Salz vermengt und ein Teig daraus bereitet. Dieser wurde sofort nach dem Kneten gebacken, so dass ein ungesäuertes Brot entstand, oder man ließ ihn nach dem Zusatz von einem Stück Sauerteig gehen. Gesäuertes Brot war jedoch selten. In der Regel war das tägliche Brot ungesäuert. Wer einen Gast ehren wollte, setzte ihm frisches (ungesäuertes) Brot vor.

Sauerteig ist alter, sauer gewordener Teig vom letzten Backtag, den man inzwischen in Wasser aufbewahrt hatte. Dieser Sauerteig muss gut untergeknetet werden, denn nur so gibt er dem Brot die angenehme Lockerung und feine Säuerung. Die durchdringende Wirkung des Sauerteigs machte ihn zum Bild für die Wirkung des schlechten Beispiels: „Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer“ (Mt 16,6), aber auch für die unaufhaltsame und sichere Wirkung der Tora und des Gottesreiches (Lk 13,21).

Backen

Die einfachste Art des Backens war die, dass man den vorgeformten, einigermaßen festen, aber dünnen Teig in die heiße Asche legte („Aschenbrot“; vgl. 1 Kön 19,6). Das Backen auf einem Stein, der durch ein darauf angezündetes Holzfeuer erhitzt wurde, ist sicher ebenfalls uralt; war der Stein heiß, wurde das Brennmaterial abgefegt, und der Stein war eine Backplatte. Diese Backweise wird bis heute bei manchen Nomaden praktiziert; sie erhitzen den Stein durch Verbrennung von Kamelmist. Zur gleichen Zeit kannte man aber auch die gebogene Backplatte aus Ton, die etwa wie ein großer Schildkrötenrücken aussah. Man erhöhte die Platte, indem man sie auf Steine legte, und erhitzte sie von unten her. Aber es gab auch Backöfen, die ähnlich ausgesehen haben, wie man sie heute noch im Orient auf Dörfern findet. Sie gleichen einem abgeschnittenen Kegel, der unten ein Feuerloch hat; das Feuer durchglüht das Innere des hohlen Lehmkegels, und den Teig klebt man innen an die schrägen Wände. Das sehr schnell durchgebackene Brot holt man dann mit einer langstieligen Gabel heraus.

Befeuert wurden die Öfen normalerweise mit Holz. Da dies aber nicht immer ausreichend vorhanden war, nahm man als Heizmaterial oft Sträucher, getrocknete Dungfladen, Stroh oder Unkraut. Auf das Heizen mit dürrem Gras weist Jesus in einer seiner bildhaften Mahnreden hin: „Wenn Gott schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleingläubigen!“ (Mt 6,30).

Es ist zu bemerken, dass neben dieser häuslichen Art, Brot zu backen, in den Städten und an den Königshöfen auch Bäckereien existierten.

Mahlzeit

Die Hauptmahlzeit wurde abends eingenommen. Der Hausvater sprach ein Gebet, brach das Brot in einzelne Stücke und verteilte es. Ein Messer benutzte man für das Brot nicht. Die Fladen mit ca. 10 bis 30 cm Durchmesser wurden frisch gegessen. Man aß sie in Butter, Öl oder Sahne getunkt. Als Zukost kamen in Frage: Bohnen, Linsen, Gemüse aller Art, süße und saure Milch, Obst (Feigen, Trauben, Oliven), Käse oder Honig.

Beim Essen saß man auf dem Boden und bediente sich aus der gemeinsamen Schüssel. Für gewöhnlich war das Mahl bescheiden. Nur an Festtagen wurde es üppiger gestaltet. Ein Tier wurde geschlachtet, und neben dem Fleisch gab es Wein, der in Krügen oder Schläuchen aufbewahrt wurde und den man vor dem Trinken mit Wasser vermischte.

Brotsorten

In älterer Zeit, z. B. auch noch in der ersten Zeit der Könige (um 1000 v. Chr.), war Gerstenbrot das übliche; aber später wurde es das Brot der Armen (vgl. Ez 4,12), während die Bessergestellten Weizenbrot aßen. Vielleicht betont deshalb Joh 6,9 bei der Speisung der Fünftausend, dass ein Knabe mit fünf Gerstenbroten da sei. Bei religiösen Feiern (Ex 29,2) und am Königshof wurde generell Weizenbrot verwendet (1 Kön 5,2). Die spätere römische Periode kennt sowohl Weizen als auch Gerste zum Brotbacken.

Bedeutung

Brot war das Grundnahrungsmittel aller biblischen Zeiten. Es war so sehr Grundnahrungsmittel, dass es im Sprachgebrauch an die Stelle der Nahrung überhaupt trat, wie z. B. in der Vaterunserbitte: „Unser tägliches Brot gib uns heute“. Deshalb gehörte es auch zum täglichen Opfer und wurde Gott angeboten in den Schaubroten. Später wurde die Tora (Die fünf Bücher Mose) oft mit „Brot“ bezeichnet, was in Joh 6,35.48 mitschwingt, wenn Jesus sich als das „Brot des Lebens“ bezeichnet.

Damit ist aber auch schon der Blick auf die Einsetzung des Abendmahls (Mt 26,20-30; 1 Kor 11,23-26) gerichtet. In, mit und unter dem Brot (und Wein) empfangen die Gläubigen die Gegenwart Christi, der „das Brot, das vom Himmel gekommen ist“ (Joh 6,41), ist. An der besonderen Art, wie er das Brot brach, erkannten die Emmausjünger den auferstandenen Herrn (Lk 24,30.31).

Symbolischen Charakter hat das Brot auch an zahlreichen Stellen im AT (Melchisedek, Genesis 14,18; Schaubrote, 1 Kön 7,48; Elias Wunderspeise, 1 Kön 19,6; Ps 41,10; Am 8,11).

 

Nazaret

Nazaret liegt in Galiläa, ca. 25 km südwestlich vom See Gennesaret und etwas abseits der alten Küstenstraße, die Damaskus mit Ägypten verbunden hat. Es ist in einen von Höhenzügen umgebenen Talkessel eingebettet, der an ein Amphitheater mit seinen Rängen denken lässt. Der Name Nazaret leitet sich vermutlich von der Wurzel „nasar“ (hüten, bewahren) ab, was darauf hindeutet, dass der Ort vielleicht einmal als Grenzbefestigung diente.

Josef und Maria lebten nach ihrer Verlobung in Nazaret, wo Maria auch die Geburt ihres Sohnes Jesus angekündigt wurde (Lk 1,26ff.). Jesus ist in Nazaret aufgewachsen und hat dort seine Kindheit und Jugend verbracht (Lk 2,39f). Von hier aus machte er sich zu Johannes dem Täufer auf (Mk 1,9). Nach der Versuchung durch den Teufel (Mt 4,1-11) kehrte er nach Nazaret zurück (Mt 4,12), zog jedoch bald nach Kafarnaum um (Mt 4,13). Wie die Evangelien berichten, wird er von den Einwohnern abgelehnt, als er mit seinen Jüngern nach Nazaret kommt und lehrt (Mk 6,1-6 par). Er kehrte denn auch offensichtlich nicht mehr nach Nazaret zurück, auch wenn es als seine Vaterstadt bekannt war (Mt 21,11). Man nannte Jesus und gelegentlich (selten und unkorrekt) wohl auch die Christen »Nazarener«.  

Das Alte Testament schweigt über Nazaret, obwohl Ausgrabungen Hinweise auf eine Besiedlung der Gegend von der Bronzezeit an (um 1500 v. Chr.) erbrachten und Grabstätten von der Eisenzeit bis zur Zeit der Hasmonäer gefunden wurden. Nazaret war nie sehr bedeutend, was auch die Frage des Natanaël nahe legt (Joh 1,46) „Kann denn aus Nazaret etwas Gutes kommen?“. Zu Jesu Zeiten besaß Nazaret eine Synagoge (Lk 4,16), und auch noch nach der Zerstörung des Tempels wohnten Juden dort. Der Kirchenvater Eusebius erwähnt im 4. Jht. eine kleine Stadt namens Nazaret. Die erste Kirche dort wurde zur Zeit Konstantins errichtet.

In den Tagen Jesu mag Nazaret 150 bis 200 Einwohner gezählt haben, die teils in würfelförmigen Häusern, teils in Wohngrotten lebten, die in den Felsen gehauen waren. Solche „Wohnhöhlen" gibt es noch heute, und es ist gut denkbar, dass auch das „Haus“ der Heiligen Familie nichts anderes als eine solche Grotte war. Die Einrichtung dieser Behausungen war bescheiden. Im Felsenboden gab es eine große Vertiefung für die Feuerstelle, kleinere dienten als Standorte für Krüge. In den Wänden waren Nischen für Öllämpchen und Leuchter. Im Hintergrund des Raumes hatten die Haustiere ihren Platz. Dort lagerten auch die Vorräte für Mensch und Tier: Getreide, Trockenfrüchte, Heu und Stroh.

Wenn ein „Haus“ etwas feudaler angelegt war, konnte vor der Grotte ein Vorbau mit einem flachen Dach stehen, der als Küche, Wohn- und Schlafzimmer diente. Die angeschlossenen Höhlen waren gewissermaßen die „Wirtschaftsräume“. In der Regel lebten in einer solchen „Wohnanlage“ wenigstens zehn Menschen (unter einem Dach mit den Haustieren!). Das Gleichnis vom bittenden Freund (Lk 11,5-8) macht uns darauf aufmerksam, dass die ganze Familie die Nacht in dem einzigen Wohnraum verbrachte. „Lass mich in Ruhe“, sagt der Hausherr zu dem Freund, der ihn um Mitternacht um drei Brote bittet, „ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben; die Tür ist verschlossen und meine Kinder schlafen bei mir.“    (u.a. Siegfried Grän)

 

Synagoge

Das Wort „Synagoge“ (griech. Versammlung) kann entweder das Gebäude bezeichnen, worin eine Gemeinde jüdischer Männer zum Gebet und zum Studium des Gesetzes zusammenkommt, oder auch die Versammlung der Juden in einem solchen Gebäude.

Nicht nur in Palästina sondern auch bei den im Ausland (unter den Heidenvölkern) lebenden Juden, haben sich Synagogen etabliert; so ist zum Beispiel ein solches jüdisches Gebetshaus in Ägypten für das 3. Jahrhundert v. Chr. bezeugt. Zur Zeit Jesu fand man in jeder Ortschaft Palästinas eine Synagoge, und in Rom gab es davon sogar dreizehn. Meist waren es rechteckige, dreischiffige Basiliken mit einer nach Jerusalem orientierten Längsachse. Im Vorraum befand sich ein Reinigungsbrunnen, im Innenraum vorne war das „Heilige“ mit dem Schriftrollenschrein, davor das Vorlesepult; für die Vornehmen waren Stühle (Moses Stuhl) reserviert. Man kannte auch den Ausschluss aus der Synagoge und den Bann.

Die Synagogen kamen wahrscheinlich zu der Zeit auf, als der Opferkult in Jerusalem konzentriert wurde. Abgelegene Gemeinden bedurften weiterhin eines örtlichen Zentrums der religiösen Praxis. Zu großer Bedeutung gelangten die Synagogen dann während und nach dem Exil. Als nämlich der Tempel zerstört wurde und deshalb der geregelte Opferkult nicht mehr stattfinden konnte, ist das Gesetz der Thora (die fünf Bücher Mose), das in der Synagoge aufbewahrt, verehrt, verlesen und ausgelegt wurde, zum Zentrum der Religion Israels geworden. Nach der Rückkehr aus dem Exil, als die Juden den Tempel wiederaufbauten und dort auch wieder den Opferkult organisierten, verloren Synagoge und Bibel dennoch nicht an Gewicht; die jüdische Religion war zu einer Religion des Buches geworden.

Während der Tempel von den Priestern verwaltet wurde, standen die Synagogen unter der Aufsicht von Laien. Jede Synagoge hatte wenigstens einen Synagogenvorsteher und einen Wärter, der die Gesetzesrollen in Obhut hielt. Dem Vorsteher oblag die Aufgabe, die Gottesdienste zu leiten, für Ordnung zu sorgen und Vorleser bzw. Sprecher anzuweisen (vgl. Mk 5,35; Apg 18,8; 13,15). Die Frauen nahmen am Synagogengottesdienst getrennt von den Männern von einer Empore oder einem Nebenraum aus teil. Instrumentalmusik wurde im Tempel, nicht aber in den Synagogen verwendet.

Zur Zeit, da in Jerusalem die Opfer stattfanden, wurden in den Synagogen am Morgen und am Abend Gebete verrichtet. An den Sabbaten und Festtagen wurde regelmäßig aus dem Gesetz und den Propheten vorgelesen (wahrscheinlich in einem Dreijahreszyklus), und darauf folgte eine Predigt, die von einem Schriftgelehrten oder irgendeinem dazu befähigten Laien gehalten wurde. Jesus, der als Laie galt, da er nicht dem Stamm Levi entstammte, predigte oft in den Synagogen, doch blieb uns von seinen Synagogenpredigten nur sehr wenig erhalten (vgl. Lk 4,16ff). Weitere wichtige Elemente des Synagogengottesdienstes waren das „Schema Jisrael“ (hebr. Höre Israel), das Achtzehngebet (wegen der 18 darin enthaltenen Bitten) und der Priestersegen. Unter der Woche führten in den Synagogen die Schriftgelehrten junge Leute in den Sinn der Schrift ein. Hier versammelte sich aber auch der örtliche Sanhedrin, um Recht zu sprechen, Prozesse zu führen und Strafen zu vollziehen (vgl. Mt 10,17).

Da das gewöhnliche Volk den hebräischen Wortlaut des Alten Testaments nicht verstand, wurde für jeden Abschnitt der Schrift, nachdem er auf hebräisch vorgelesen worden war, eine Übersetzung in der aramäischen Volkssprache gegeben. Zur Zeit Christi hatte der Übersetzer sein Targum („Übersetzung“) auswendig wiederzugeben. Der Schrifttext selbst war schriftlich fixiert und musste gelesen werden, selbst wenn man ihn auswendig wusste; das Targum war mündlich und war auswendig wiederzugeben. Das Targum war oft eine freie Übersetzung mit hinzugefügten Interpretationen. Im ersten Jahrhundert n. Chr. begann man die Targums schriftlich niederzulegen. Ein Manuskript des Jerusalemischen Targums des Pentateuchs wurde 1957 in der Vatikanischen Bibliothek entdeckt; sie war unter einem unzutreffenden Titel katalogisiert worden. Es enthält die aramäische Version, wie sie zur Zeit Christi in Palästina verwendet wurde.

 

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