WISSENSWERTES

"Die Schrift nicht kennen,
heißt Christus nicht kennen."

(Hl. Hieronymus)

...deshalb ist es ganz wichtig, dass wir in der Hl. Schrift lesen und beten, sie studieren und meditieren. Denn auf jeder Seite wartet Gott auf uns. Je besser wir die Bibel kennen und je mehr wir begreifen, dass uns darin Gott begegnen will, desto näher kommen wir dem Geheimnis des Lebens.

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«Bibel», was ist das?
Kein Buch wie jedes andere.

Evangelium nach Matthäus
Einführung (Lesejahr A).

Personen der Bibel
Kurzbeschreibungen.

Methoden der Exegese
Mit Erklärung wichtiger Fachbegriffe.

Zur Zeit Jesu
Die Zeit Jesu besser verstehen.
Interpretation der Schrift
Wie die Bibel verstehen und auslegen?
 

Wussten Sie schon...

Aktuelle Umfrage in Deutschland "Wie oft lesen Sie die Bibel?"

Nach einer Umfrage des demoskopischen Instituts in Allensbach (Ende Nov. 2005) ist es mit dem Bibellesen unter den Bundesbürgern nicht zum Besten bestellt. Es gibt allerdings große Unterschiede zwischen den Generationen. Während die Erwachsenen über dreißig Jahren noch recht gut bescheid wissen, wer ein Goliat ist und was auf der Hochzeit zu Kana passiert ist, so ist der biblische Kenntnisstand bei der Jugend weit ins Hintertreffen geraten.

Auf die Frage: "Wie häufig lesen Sie die Bibel?" gaben die 746 befragten Personen im Alter ab 16 Jahren folgende Antworten:

Insgesamt lesen von den Jugendlichen bis 29 Jahre nur 7% "häufig" oder "hin und wieder" in der Bibel. Bei den Über-45jährigen sind es immerhin gut 18%.

Die zweite Frage galt einzelnen Geschichten aus der Hl. Schrift. Die Befragten gaben die Antwort "Diese Geschichte aus der Bibel kenne ich" prozentual so häufig wie hier angegeben, wobei unterschieden wurde zwischen den Über-30jährigen (dunkel) und den 16 bis 29jährigen (hell).

Und wie oft lesen Sie in der Bibel? Denn sie ist ja nicht nur ein bedeutsames Kulturgut, sondern vor allem die Einladung, mit der verlässlichen Wahrheit unseres Lebens ins Gespräch zu kommen. 

Finden Sie es alleine zu mühsam? Dann fragen Sie doch einmal in ihrem Bekanntenkreis, ob jemand Interesse hat, mit Ihnen gemeinsam die Hl. Schrift zu lesen. Vielleicht gibt es in Ihrer Gemeinde einen Bibelkreis, da könnten Sie einmal reinschauen, denn mit Anleitung geht es noch viel besser.

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Ein Schädling "hilft" Jona

Eine biologische Neuentdeckung rückt den Bericht über den Propheten Jona in der Heiligen Schrift wieder mehr in die Nähe wirklich erlebter Geschichte.

Ninive liegt im heutigen Irak

Das Buch Jona schildert, wie der Gott Jahwe seinem Knecht Jona den prophetischen Auftrag gibt, der heidnischen und sündigen Assyrerstadt Ninive das Gericht anzudrohen. Jona findet die Gedanken Gottes abstrus, zumal die oft grausamen Assyrer eine Bedrohung für Israel waren: Warum sollte Gott diese Heiden vor dem Verderben, in das sie laufen, warnen wollen? Jona läuft vor Gott und seinem Auftrag davon. Gott aber überlässt Jona nicht einfach sich selbst. In der ersten Hälfte der Erzählung erleben wir, wie er ihn zwar seine eigenen Wege gehen lässt, bis er fast sein Leben verliert, in der zweiten Hälfte aber lehrt Gott ihn, die Richtigkeit seiner gnadenvollen Absichten sogar den Feinden Israels gegenüber anzuerkennen.

Die besondere Offenbarung, um die es in dem Buch Jona geht, ist sehr passend mit den Worten wiedergegeben, die den Bericht von der Begegnung des Petrus mit den Heiden in Cäsarea abschließen: "Gott hat also auch den Heiden die Umkehr zum Leben geschenkt." (Apg 11,18). 

Das Buch Jona - nur eine gut erfundene Erzählung?

Vielfach wird von Bibelwissenschaftlern die Meinung vertreten, dass dieses Buch eine phantasievoll erfundene Lehrerzählung sei, die entweder als Allegorie für Exil und Auftrag Israels oder für die Wahrheit von der universalen Liebe Gottes anzusehen ist, die aber einer historischen Grundlage entbehrt. Die Tatsache jedoch, dass uns das Buch Jona als Teil des prophetischen Kanons überliefert ist, bedeutet, dass es von den Juden als Erfahrungsbericht eines tatsächlich existierenden Propheten Jona anerkannt wurde; diese Meinung wurde offensichtlich auch von Jesus geteilt (vgl. Mt 12,38-41; Lk 11,29-32). 

Im Buch Jona gibt es keinen eindeutigen Beweis dafür, weder innerhalb noch außerhalb des Buches, dass es sich als sinnbildliche Darstellung oder Gleichnis verstanden wissen will. Die These, es handele sich um eine Parabel, ist wohl eher damit zu begründen, dass sie den Leser von der Notwendigkeit befreit, die übernatürlichen Ereignisse der Erzählung als Fakten anzuerkennen. Wo Parabel oder Allegorie innerhalb von biblischen Büchern vorkommen, finden sich immer interne oder aus dem Textzusammenhang hervorgehende Hinweise, dass wir es mit einer solchen Literargattung zu tun haben. Im Buch Jona fehlen diese. 

Bei der Bestimmung des literarischen Charakters des Jona-Buches müssen auf jeden Fall folgende Fakten berücksichtigt werden: 

  1. Jona selbst war eine historische Gestalt, ein Prophet Jahwes in Israel (2Kön 14,25). 
  2. Das Werk ist augenscheinlich ein Bericht ohne klaren Hinweis darauf, dass es anders interpretiert werden will. 
  3. Jesus Christus betrachtete die Buße der Männer von Ninive als ein reales Geschehen; es liegt nahe, für seinen Hinweis auf Jonas "drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches" (Mt 12,40f) das Gleiche anzunehmen.

Wer sucht, der findet...

Durch eine neue Entdeckung von Naturwissenschaftlern, die seit 1986 als Mitarbeiter der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM) gemeinsam mit israelischen Partnern die Nachtfalterfauna Israels erforschen, wird der Bericht über den Propheten in ein neues Licht gerückt. Es zeigt sich, dass zuvor unverständliche Darstellungsdetails auf verlässlichen und nachprüfbaren Fakten basieren, was insgesamt vermuten lässt, dass viel mehr an historischem Kern darin verwoben ist, als gemeinhin angenommen wird. 

Jona wurde auf der Flucht vor Gottes Auftrag in die Tiefen des Meeres gestürzt, wo er von einem großen Fisch verschluckt wurde, um dann drei Tage später wieder an Land gespieen zu werden. Auf diese Weise gerettet erging erneut derselbe Auftrag an Jona: "Kündige der großen Stadt Ninive das Strafgericht an!" Diesmal gehorchte Jona und lief mahnend und rufend durch die ganze Stadt hindurch. Und siehe da, was Jona schon zuvor befürchtet hatte und warum er auch versucht hatte Gott davonzurennen, trat ein: Die Bewohner der Stadt, vom König bis zum Knecht, sie hörten auf die Botschaft und bekehrten sich zu Gott, worauf dieser sie am Leben ließ. 

Rizinusstrauch

Jona konnte nicht verstehen, wie Jahwe diesem Heidenvolk die gleiche Barmherzigkeit erweisen konnte wie dem auserwählten Volk. Worin würde dann noch die besondere Erwählung Israels bestehen, wenn Gott auch diesen Unbeschnittenen Vergebung und Heil schenkt? - Deshalb wurde Jona zornig und wünschte sich den Tod, um das nicht länger mit ansehen zu müssen. 

Und nun kommt die Knackstelle in der Geschichte über Jona. An einer existentiellen Erfahrung des Propheten mit einem Rizinusstrauch und einem Wurm macht Gott deutlich, warum auch die Assyrer Kinder Gottes sind. Folgen wir dem biblischen Text (Jona 4,6-10): 

"Da ließ Gott, der Herr, einen Rizinusstrauch über Jona emporwachsen, der seinem Kopf Schatten geben und seinen Ärger vertreiben sollte. Jona freute sich sehr über den Rizinusstrauch. Als aber am nächsten Tag die Morgenröte heraufzog, schickte Gott einen Wurm, der den Rizinusstrauch annagte, so dass er verdorrte. Und als die Sonne aufging, schickte Gott einen heißen Ostwind. Die Sonne stach Jona auf den Kopf, so dass er fast ohnmächtig wurde. Da wünschte er sich den Tod und sagte: Es ist besser für mich zu sterben als zu leben. Gott aber fragte Jona: Ist es recht von dir, wegen des Rizinusstrauches zornig zu sein? Er antwortete: Ja, es ist recht, dass ich zornig bin und mir den Tod wünsche. Darauf sagte der Herr: Dir ist es leid um den Rizinusstrauch, für den du nicht gearbeitet und den du nicht großgezogen hast. Über Nacht war er da, über Nacht ist er eingegangen. Mir aber sollte es nicht leid sein um Ninive, die große Stadt, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen leben, die nicht einmal rechts und links unterscheiden können - und außerdem so viel Vieh?" 

Rizinusfrucht und -samen

Was sucht ein Schädling auf einer Giftpflanze?

Diese Stelle im Buch Jona reizte schon immer die Naturwissenschaftler zu genaueren Nachforschungen. Im Altertum wurde der "kikayon"-Strauch fälschlich als Efeu oder Kürbis gedeutet. Vielleicht auch deshalb, weil Rizinus schon früh als Giftpflanze bekannt war, und die Übersetzer sich nicht vorstellen konnten, dass irgendein Tier diese Pflanze hätte annagen können. Heute sind sich Botaniker und Bibelwissenschaftler aber einig, dass "kikayon" vom ägyptischen "kiki" abzuleiten ist, dem Wort für Rizinussame. Der Wurm fraß also am Rizinusstrauch, einer Pflanze, die den Giftstoff Ricinin enthält, ein nachweislich hervorragendes Insektizid. 

Der Wissenschaft war bislang kein Tier bekannt, dass eine derartige Giftdosis hätte überleben können. Doch im Jahr 2003 machte ein Team aus deutschen und israelischen Wissenschaftlern eine erstaunliche Entdeckung. Sie hatten durch unermüdliche Forschungen inzwischen über 1.500 Arten von Schmetterlingen bestimmt, gegenüber 800 zuvor. Bei großangelegten Nachtfängen ging ihnen auch ein höchst ungewöhnlicher Bärenspinner der Gattung "Olepa" ins Netz, der dem führenden Parasitologen der Hebrew University Jerusalem, Professor Yosef Schlein, gewidmet wurde und nun den Namen "Olepa schleini" trägt. 

Eine dem entdeckten 
Bärenspinner verwandte 
Raupe.

Axel Hausmann, Schmetterlingsspezialist von der ZSM, zog schnell einen Zusammenhang zwischen dem neu entdeckten rotbraunen Nachtfalter und dem Wurm im Jona-Buch. Es hatte sich nämlich herausgestellt, dass die Larven von Olepa schleini ausschließlich Rizinus fressen. Außerdem sind die Raupen nachtaktiv und befallen konzentriert einzelne Rizinusbüsche, was erklären könnte, wie Jonas Strauch in nur einer Nacht verdorren konnte. Auch die geographischen Hinweise, wie der heiße Ostwind, sind charakteristische Merkmale des Verbreitungsgebietes des neu entdeckten Bärenspinners.

Naturwissenschaftliche Recherchen und moderne biowissenschaftliche Methoden können also dazu beitragen, dem biblischen Zeugnis gegenüber der heute vielfach rational-kritischen Einstellung neue Authentizität zu verleihen. Es soll jedoch nicht der Eindruck erweckt werden, dass die Bibel in allen Details historisch und naturwissenschaftlich belegbare Fakten lieferte. Man würde sie nur allzu leicht zu einem bloßen Naturkundebuch machen, was sie keinesfalls sein will. Es zeigt sich aber, dass die Glaubenserzählungen und die aus konkreter Lebenswirklichkeit heraus gedeuteten Zeugnisse auch in den uns oft fantastisch und wunderhaft erscheinenden Elementen mehr an historischem Kern haben, als unser nüchterner Verstand wahrhaben will. 

Es geht der Heiligen Schrift, so sei zum Schluss unterstrichen, in erster Linie darum, jenseits aller wissenschaftlich-distanzierten Objektivierbarkeit eine persönliche Einladung an den Hörer und Leser auszusprechen. Durch das überlieferte Zeugnis der Glaubensbrüder und -schwestern soll der Hörer/die Hörerin den je eigenen Weg in eine lebendige Beziehung mit Gott entdecken und gehen können. Vielleicht erreicht beim Lesen des Buches Jona ja auch Sie ein Anruf Gottes für Ihr Leben. Das Lesen lohnt sich auf jeden Fall!

(Literatur: Carolin Ertl. "Der Wurm des Propheten Jona" in: Münchner Kirchenzeitung, 27. Nov. 2005: 22. / Guthrie, Donald und Motyer J. Alec (Hgg.). [Balders, Günter u.a. Übersetzung und Bearbeitung der dt. Ausgabe.] Kommentar zur Bibel: AT und NT in einem Band. Wuppertal, R. Brockhaus, 52003.)

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